Niedrigwasser: Ökonomin Grimm sagt steigende Preise voraus
Autor: dpa
, Sonntag, 16. August 2026
Die Preise könnten bei diversen Grundstoffen steigen, warnt die Wirtschaftsweise. Sie kritisiert die Politiker, die kurzsichtig agierten, statt sich auf solche Lagen vorzubereiten.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat steigende Preise vorhergesagt als Folge des Niedrigwassers auf deutschen Flüssen und die dadurch verursachten Transportprobleme. «Bei ineffizienter Rationierung kann Niedrigwasser die Preise auch unnötig in die Höhe treiben», sagte Grimm dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «In der Chemie gibt es Effekte, auch im Energiemarkt. Der Transport von Öl zu Raffinerien ist von den niedrigen Pegelständen betroffen.» Wie stark die Preise bei verschiedenen Grundstoffen reagieren, hänge davon ab, welche Lagerkapazitäten die Unternehmen jeweils aufgebaut haben.
Im Hinblick auf Anpassungen an den Klimawandel kritisierte Grimm eine mangelnde Weitsicht in der Politik. Das Sonntagsfahrverbot für Lkw zu lockern, sei zwar eine richtige Maßnahme, «allerdings wäre es gut, wenn man auf solche Situationen vorbereitet wäre, anstatt ad hoc Notmaßnahmen zu diskutieren», so Grimm. Diese Auswirkungen des Klimawandels seien vorhersehbar. «Politik macht keinen guten Eindruck, wenn sie sich von Krise zu Krise hangelt und nicht systematisch Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt.»
Die Transportprobleme durch Niedrigwasser ließen sich auch nicht einfach durch eine Vertiefung von Flüssen lösen. Diese Option müsse man sorgfältig evaluieren - und dabei auch ökologische Folgen berücksichtigen. «Vertiefungen an einzelnen Stellen der Fahrrinnen könnten angezeigt sein, aber eine Vertiefung schafft ja kein zusätzliches Wasser.» Die Politik solle daher auch Pläne zur Priorisierung von Transporten ausarbeiten.
Lage unverändert
Das Niedrigwasser des Rheins hat derweil in Düsseldorf einen historischen Tiefststand erreicht. Der Pegelstand sank erstmals in den Negativbereich, wie aus den aktuellen Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht. Am Sonntagmorgen ist demnach in Düsseldorf der Pegelstand auf minus 1 Zentimeter zurückgegangen. Die Fahrrinne ist deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer.
Im Verlauf der neuen Woche wird ein leichter Anstieg des Pegelstandes auf 10 Zentimeter erwartet. Der Wasserstand des Rheins wird damit aber auch weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben. Wie die Behörde mitgeteilt hatte, fahren kaum noch Schiffe.
Das Niedrigwasser setzt nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vor allem die chemische Industrie unter Druck. Zwar würden über den Rhein häufig geringwertige Massengüter wie Kohle, Sand oder Bergbauprodukte verschifft, sagte eine Sprecherin der «Rheinischen Post» (Montag). «Allerdings verbindet der Rhein auch zahlreiche die großen Standorte der Chemischen Industrie, in denen petrochemische Vorprodukte weiterverarbeitet werden.» Ohne Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz der Wasserstraßen könne die Binnenschifffahrt ihre Vorteile künftig nicht mehr ausspielen.
DB Cargo will alte Güterwaggons reaktivieren
Die Bahn-Tochter DB Cargo will derweil nach Informationen der «Rheinischen Post» auch alte Güterwaggons reaktivieren, um ausfallende Schiffstransporte zu kompensieren. In einem der Zeitung vorliegenden Papier heißt es, zusätzlich werde «die Reaktivierung dauerhaft abgestellter Güterwagen geprüft und vorbereitet». DB Cargo könne «unmittelbar» 900 Wagen mobilisieren, 300 davon sofort. 900 Wagen könnten laut DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg 200 Binnenschiffe ersetzen.