Neues digitales Ticket für den Nahverkehr? Bayern kontert
Autor: dpa
, Dienstag, 20. Oktober 2026
Für Gelegenheitsfahrer ist das Deutschlandticket oft zu teuer. Von einem bundesweiten digitalen Ticket könnten alle Nutzer von Bus und Bahn profitieren. Doch die Idee stößt sofort auf Widerspruch.
Für gelegentliche Bus- und Bahnfahrer könnte, wenn es nach dem Willen einzelner Länder ginge, bundesweit ein neues digitales Fahrscheinangebot eingeführt werden - als Ergänzung zum bestehenden Deutschlandticket. Die Idee: Per Smartphone werden Fahrtbeginn und -ende registriert und der günstigste Tarif automatisch berechnet. Fahrgäste sollen in einem Monat insgesamt aber nicht mehr als für ein Deutschlandticket zahlen.
Einen entsprechenden Vorschlag haben die Länder Nordrhein-Westfalen und Hamburg für die Herbstkonferenz der Verkehrsminister eingebracht, wie das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium auf Anfrage mitteilte. Zuvor hatte die «Rheinische Post» über das Vorhaben berichtet.
Allerdings gab es sofort direkten Widerspruch. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), aktuell Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte: «Uns fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Es ist nicht die Zeit für immer noch mehr Leistungen.» Es sei gelungen, das Deutschlandticket an sich zu sichern. «Damit haben wir bereits ein sehr gutes Angebot», sagte Bernreiter und betonte: «Ich sehe weder die Zustimmung des Bundes noch die notwendige Einstimmigkeit der Länder für ein solches Vorhaben.»
Vorbild ist das Ticketsystem aus NRW
Der Antrag von NRW und Hamburg für die an diesem Mittwoch beginnende Konferenz im bayerischen Hohenschwangau sieht auch erst einmal vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Konzept für das neue Ticketsystem erstellen soll. Vorbild ist das Angebot eezy.nrw in Nordrhein-Westfalen, das nach Angaben des Verkehrsministeriums ein großer Erfolg ist. Im September seien mehr als 1,4 Millionen Fahrten mit eezy.nrw abgerechnet worden.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) erläuterte die Idee: «Wer nur gelegentlich Bus und Bahn fährt, muss genauso unkompliziert und zu fairen Konditionen unterwegs sein können wie die Vielfahrer mit dem Deutschlandticket.» Das in NRW bereits funktionierende System könnte bundesweit ausgedehnt werden: «Dann könnten Gelegenheitsfahrer bald in ganz Deutschland einfach und komfortabel im Nahverkehr unterwegs sein.»
Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte, Niedersachsen sehe das grundsätzlich positiv. «Wir werden ein D-Ticket light konstruktiv diskutieren. Nach dem D-Ticket könnten wir die Tariflandschaft auch im Gelegenheitsverkehr revolutionieren. Auch hier müssten wir uns bundesweit auf einheitliche Regularien wie Tarife und Mitnahmemöglichkeiten und vor allem über die Finanzierung und Einnahmeaufteilungen verständigen.» Wichtig sei, jetzt keine Luftschlösser zu bauen. «Das Thema ist ein ganz dickes Brett, aber es lohnt sich, mit dem Bohren anzufangen.»
Verkehrsunternehmen lehnen Vorstoß ab
Auch der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt den Vorstoß. «Das bringt die Leute in den Nahverkehr. Denn es gibt viele, die kaufen sich kein Deutschlandticket, weil sie es kaum gebrauchen können», sagte der Ehrenvorsitzende Detlef Neuß der «Rheinischen Post». Er regte an, Gruppen und Familien einzubeziehen. Das Deutschlandticket für den bundesweiten Regionalverkehr kostet zurzeit 63 Euro pro Monat, im kommenden Jahr dann 66,80 Euro.