Neue Angebote in Apotheken - das kommt für Patienten
Autor: Sascha Meyer, dpa
, Freitag, 22. Mai 2026
Die meisten gehen in die Apotheke, um Arzneimittel zu holen. Die Palette der möglichen Leistungen soll jetzt aber noch erweitert werden, um so auch die Praxen zu entlasten. Unumstritten ist das nicht.
In Apotheken gibt es schon jetzt nicht nur Medikamente. Künftig sollen sie Patientinnen und Patienten aber noch weitere Leistungen anbieten können - von Impfungen über Vorsorge bis zu mehr Arzneien auch ohne sonst nötiges Rezept. Das sieht ein Gesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, das der Bundestag mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition beschlossen hat. Die neuen Möglichkeiten sollen das Netz der Apotheken auch auf dem Land weiterhin absichern. Von Ärzten und kommt scharfer Protest.
«Um die Gesundheitsversorgung in Zukunft sicherstellen zu können, müssen die Aufgaben auf mehr Schultern verteilt werden», sagte Warken. «Apotheken spielen dabei eine zentrale Rolle.» Für viele seien sie schon erste Anlaufstellen, hatte sie bereits vorab erklärt. Diese Kontakte sollen jetzt noch stärker genutzt werden, um leicht zugängliche Angebote zu etablieren. Dabei gehe es nicht um komplexe Diagnosen oder Ersatz ärztlicher Begutachtungen, sagte Warken. Das Gesetz stärke die Apotheken auch finanziell und mit weniger Bürokratie.
Die Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren und ging bis Ende März auf 16.541 zurück - den niedrigsten Stand seit 1977. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Kerngeschäft mit Arzneimitteln ohne und mit Rezept. Ein Überblick über die Neuregelungen, die abschließend in den Bundesrat kommen:
Vorsorge
Apotheken sollen neue Leistungen zu Vorbeugung und Früherkennung anbieten können – etwa für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und rund ums Rauchen.
Impfungen
Neben Impfungen gegen Grippe und Corona sollen alle Schutzimpfungen mit «Totimpfstoffen» in Apotheken angeboten werden können – also zum Beispiel auch gegen Tetanus oder Virusinfektionen, die Zecken übertragen (FSME).
Schnelltests
Wie bei Corona-Tests in der Pandemie sollen Patienten selbst zu bezahlende Schnelltests zu bestimmten Erregern bekommen können – etwa auf Influenza-, Noro- oder Rotaviren. Das soll auch Infektionsketten schneller unterbrechen.
Medikamente
Apotheken sollen verschreibungspflichtige Präparate in bestimmten Fällen auch ohne ärztliche Verordnung abgeben können. Patienten müssen sie dann selbst bezahlen. Gehen soll das zum einen bei bekannten und schon seit längerem eingenommenen Medikamenten. Erlaubt werden soll die einmalige Abgabe der kleinsten Packung, wenn das Fortführen der Therapie keinen Aufschub erlaubt.