Neue Ameisenart in Deutschland - Stich kann lebensgefährlich sein
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Stuttgart, Montag, 30. März 2026
Forscher haben in einem bekannten deutschen Stadtpark zum ersten Mal die Asiatische Nadelameise nachgewiesen. Sie warnen vor der Ausbreitung der gefährlichen Art.
In einem Stuttgarter Stadtpark wurde eine neue eingeschleppte Ameisenart entdeckt, deren Stich zu allergischen und somit lebensbedrohlichen Schocks führen kann. Laut der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (Frankfurt) und der Universität Hohenheim in Stuttgart handelt es sich um den ersten bestätigten Nachweis einer Asiatischen Nadelameise in Deutschland.
"Die Insekten werden von der Europäischen Union aufgrund ihrer möglichen Schadwirkung und ihrer potenziell allergieauslösenden Stiche als besonders problematisch eingestuft", teilten die Experten der Senckenberg Gesellschaft mit. Die Art wurde im vergangenen Sommer in die höchste Gefahrenklasse der EU hochgestuft.
Nadelameise in Stuttgarter Park: "Überwinterungsfähige Population"
Forschende gaben an, im letzten Juni im Stuttgarter Rosensteinpark auf Hinweise für die aus Ostasien stammende Ameise gestoßen zu sein. "Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken", sagte Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. "Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokal überwinterungsfähige Population".
Boudinot ist der Hauptautor einer Studie zum ersten deutschen Nachweis, die nun im wissenschaftlichen Fachjournal "Zootaxa" veröffentlicht wurde. Einer der Co-Autoren, der Stuttgarter Biologiestudent Max Härtel, hatte laut der Universität Hohenheim bereits kurz zuvor ein Exemplar der Asiatischen Nadelameise (Brachyponera chinensis) im Stuttgarter Zoo Wilhelma entdeckt und identifiziert. Die Asiatische Nadelameise stammt ursprünglich aus Ostasien. In Europa wurde die Art unter anderem 2020 in Neapel nachgewiesen.
Invasive Ameisen verursachen weltweit erhebliche Schäden: Sie können öffentliche Grünflächen und private Gärten beeinträchtigen, Nutztiere sowie geschützte Arten attackieren und ganze Lebensräume verändern. Die Tiere werden häufig unbemerkt verbreitet, etwa über den internationalen Pflanzenhandel, in Containern oder im Reisegepäck. Die Verbreitung dieser Arten wird auch durch steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels begünstigt.
Wie kam die Nadelameise in die Bundesrepublik? Expertin äußert Verdacht
Forscher vermuten, dass die Asiatische Nadelameise über Pflanzen eingeschleppt wurde. "Urbane Gebiete stehen häufig im Zentrum der Etablierung gebietsfremder Arten", sagt Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. "Hier kommen sie vermehrt als blinde Passagiere, beispielsweise in Topfpflanzen oder anderen Importgütern, an und können sich oft auch besonders gut etablieren."
Unklar sei, wie weit die Asiatische Nadelameise in Deutschland bereits verbreitet sei. Die Wissenschaftler empfehlen gezielte Monitoring-Programme, um eine mögliche Ausbreitung frühzeitig zu erkennen. "Nur wenn wir wissen, welche Arten sich ausbreiten oder zurückgehen, können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden", sagt Haas-Renninger.
Zuletzt hatte die ebenfalls eingeschleppte Ameisenart Tapinoma magnum für Schlagzeilen gesorgt. Sie breitet sich millionenfach in vielen Kommunen aus, frisst sich durch Stromkabel, legt Internetverbindungen lahm und dringt in Autos, Spülmaschinen oder Kinderzimmer vor. Allein in Baden-Württemberg sind in Dutzenden von Städten und Gemeinden teils auffallend große Kolonien nachgewiesen worden.