Nächste Demütigung für die CDU: Wie lange hält Merz dem Druck noch stand?
Autor: Agentur dpa
Berlin, Montag, 21. Sept. 2026
Erst Sachsen-Anhalt, dann Mecklenburg-Vorpommern und Berlin - der Alltag der führenden Unionspolitiker gleicht dieser Tage einem Spießrutenlauf. Unvermeidlich drängt sich die Frage auf, wie lange der Kanzler noch durchhält.
Update vom 21.09.2026: Nächste Demütigung für die CDU: Wie lange hält der Kanzler dem Druck noch stand?
Nach dem historischen Wahldebakel der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und dem Absturz in Berlin berät die Parteiführung über die Konsequenzen. Im Konrad-Adenauer-Haus versammelten sich am Morgen zunächst das Präsidium und anschließend der größere Führungskreis mit dem Vorstand. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz, der für das Fiasko mitverantwortlich gemacht wird, möchte um beide Ämter kämpfen.
Die Frage ist: Hat er noch den Rückhalt der Parteiführung? Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Karl-Josef Laumann gab vor den Gremiensitzungen als einziges Präsidiumsmitglied eine Antwort: "Die Parteispitze steht hinter dem Kanzler", sagte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister beim Eintreffen im Konrad-Adenauer-Haus. Alle anderen fuhren in die Tiefgarage oder gingen an den vor der Parteizentrale aufgebauten Kameras vorbei - auch Thorsten Frei, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, der sich sonst fast immer äußert.
"Es ist ein Desaster": Merz findet deutliche Worte
Unions-Fraktionsgeschäftsführerin Catarina dos Santos-Wintz sicherte dem Kanzler jedoch im ARD-"Morgenmagazin" die Unterstützung der Unions-Abgeordneten zu. "Friedrich Merz hat unser Vertrauen. Er führt dieses Land in absolut außergewöhnlichen und schwierigen Zeiten", sagte sie - "Er ist unser Bundeskanzler." Die traditionellen Auftaktbilder in der CDU-Vorstandssitzung - manchmal mit Blumen für die Spitzenkandidaten - gab es diesmal nicht. Das lag daran, dass der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers zu spät kam. Die Fotografen und Kameraleute wurden nicht mehr hereingelassen. Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern war eine historische Zäsur für die CDU und eine der tiefsten Demütigungen in ihrer 81-jährigen Geschichte. Erstmals flog die Partei aus einem Landesparlament. Hinzu kommt, dass sie in Berlin ausgerechnet von der Linken von Platz eins verdrängt wurde und der neuen Regierung möglicherweise nicht mehr angehören wird - die zweite, wenn auch etwas weniger schmerzhafte Demütigung dieses Abends.
Merz war am Wahlabend nur eine Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale in die Offensive gegangen und hatte die Wahlergebnisse selbst kommentiert - ein sehr ungewöhnlicher Schritt. Normalerweise ist das die Aufgabe der Generalsekretärin. Merz wollte damit die Deutungshoheit über die Ergebnisse behalten. "Es ist ein Desaster", sagte er zu den Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern, die zu diesem Zeitpunkt noch zwischen 5,0 und 5,5 Prozent lagen. Vor allem wollte er aber klarmachen, dass er um seine Ämter kämpfen wird. Er warb für seinen Reformkurs und sagte: Was jetzt zu tun sei, erfordere Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. "Ich werde das aufbringen - als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes." Die vom Teleprompter abgelesene Rede hatte Merz länger vorbereitet. Die Landeschefs wurden jedoch erst kurzfristig darüber informiert.
Ein zusammen mit ihnen geplantes Manöver war das nicht. Um als Kanzler weitermachen zu können, benötigt Merz die Rückendeckung der Landesparteichefs. Vor allem die der acht CDU-Ministerpräsidenten. Diese hatten sich bereits am Mittwoch auf Initiative des rheinland-pfälzischen Regierungschefs Gordon Schnieder in einer gemeinsamen Erklärung hinter Merz gestellt. "Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen. Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten." Jetzt wird es darauf ankommen, ob sich die Landesregierungschefs noch einmal zu dieser Erklärung bekennen.
"Merz muss weg": Innerparteilicher Druck steigt
Am Sonntagabend verließen sie nach einer Sitzung des Parteipräsidiums mit Merz das Konrad-Adenauer-Haus gegen 20 Uhr, um sich dann in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung abzustimmen. Mit dabei waren sieben der acht Regierungschefs sowie die Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg und Niedersachsen, Manuel Hagel und Sebastian Lechner. Der scheidende Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner, fehlte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Unkalkulierbar ist der Druck, der von der Basis auf Merz und die Parteispitze entstehen kann. So mancher in der CDU erinnert an die Dynamik, die im Sommer zum Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef im Bundestag führte.
Viele in der Parteiführung - auch CDU-Chef Merz - hatten damals die Empörung an der Basis darüber unterschätzt, dass Spahn und sein Mann eine Leihmutter in den USA engagiert hatten, um Eltern zu werden. Der Druck von unten schwoll so rasant an, dass der Rücktritt innerhalb weniger Tage unausweichlich wurde. Bisher gibt es jedoch nur eine einzige öffentliche Rücktrittsforderung von unten. Sie kommt vom Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Berlin, Christian Gräff. "Merz muss weg. Er kann nicht Exekutive und er kann keine Kommunikation", postete der frühere CDU-Abgeordnete auf X. Gegen einen Kanzlerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt spricht jedoch vor allem eins: Es gibt keinen Plan, wie es nach Merz weitergehen soll.