Energiekonzern zu verkaufen - Geht Uniper an Investoren?
Autor: Helge Toben, dpa
, Dienstag, 19. Mai 2026
Der Bund prüft verschiedene Optionen für den Wiederverkauf des Energiekonzerns Uniper. Ein Börsengang ist weiterhin möglich, betont die Bundesregierung. Es winken Milliardeneinnahmen.
«Energieunternehmen zu verkaufen. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail». So ähnlich stand es jetzt in einer Verkaufsanzeige in der «Financial Times». Es geht um den (noch) verstaatlichten Energiekonzern Uniper, Deutschlands größten Gashändler. Die Anzeige aufgegeben hat das Bundesfinanzministerium. Es geht jetzt also los.
2022 wäre Uniper fast zusammengebrochen, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Pipelinegas mehr lieferte und die Preise für Ersatzlieferungen in extreme Höhen schossen. Auf dem Spiel stand zeitweise die Gasversorgung von rund 1.000 Stadtwerken und Industrieunternehmen. Der deutsche Staat rettete das Unternehmen mit Milliarden-Beihilfen und wurde quasi Alleineigentümer.
Bund wird durch Verkauf mehrere Milliarden Euro einnehmen
Die EU hatte die Beihilfen damals unter vielen Auflagen erlaubt. Eine davon ist, dass Deutschland seine Beteiligung bis spätestens Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie wieder reduzieren muss. Es wird damit gerechnet, dass der Bund durch den Verkauf der Mehrheit mehrere Milliarden Euro einnehmen wird. Doch wie verkauft man einen Energiekonzern am besten? Über die Börse oder doch lieber direkt an Investoren? Oder beides?
Am Dienstag erschien die Verkaufsanzeige. Mit der Veröffentlichung sei der offizielle Prozess zur Bestimmung der Nachfrage potenzieller Kaufinteressenten gestartet, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Investoren könnten ihr Interesse jetzt bis zum 12. Juni, 12.00 Uhr mittags, registrieren lassen, hieß es in der Anzeige. Mit anderen Worten: Der Bund will jetzt wissen, wer sich einen direkten Einstieg bei Uniper vorstellen könnte.
Achtung, Käufer: Bund will Sperrminorität behalten
Ein Börsengang bleibe aber «weiterhin eine mögliche und gleichberechtigte Option», betonte die Sprecherin. Auch werde in der Anzeige klargestellt, dass der Bund nach Abschluss des Privatisierungsprozesses weiterhin 25 Prozent plus eine Aktie an der Uniper SE halten möchte. Die Bundesregierung werde sich damit eine Sperrminorität sichern.
Und noch eine Bedingung nennt das Ministerium in einer Stellungnahme: «Der Bund achtet im Verkaufsprozess darauf, dass die Zukunftsfähigkeit des Gesamtunternehmens und damit die Versorgungssicherheit Deutschlands gewahrt bleibt.» Die «Süddeutsche Zeitung» hatte zuvor darüber unter Berufung auf eigene Informationen berichtet.
Uniper-Chef: Konzern jetzt «stabiler und klarer aufgestellt»
«Uniper freut sich über die heutige Ankündigung des Bundesministeriums der Finanzen», erklärte Uniper-Chef Michael Lewis in einem Statement des Unternehmens. Der Konzern sei nun stabiler, resilienter und strategisch klarer aufgestellt. Das Geschäft sei konsequent auf verlässliche Erträge ausgerichtet und Uniper verfüge über eine starke Bilanz. «Damit sind wir nicht nur wieder in der Lage, Dividenden auszuschütten, sondern können zugleich gezielt in Wachstum und Transformation investieren - mit einer klaren Strategie für nachhaltigen Wert und Versorgungssicherheit.» Über Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheide aber der Bund, betonte der Konzern.