Debakel bei MV-Wahl: CDU-Chef tritt zurück, neues Amt für Amthor

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MV-Wahl 2026: CDU-Chef tritt zurück, neues Amt für Amthor
Philipp Amthor (links, CDU) neben Daniel Peters, dem bisherigen CDU‑Landesvorsitzenden und Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
MV-Wahl 2026: CDU-Chef tritt zurück, neues Amt für Amthor
MV-Wahl 2026: CDU fliegt aus Landtag - übernimmt jetzt Amthor?
Philipp Amthor und seine Partnerin Carlotta Voß bei den Bayreuther Festspielen in Oberfranken.
Start der 150. Richard-Wagner-Festspiele
Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - Wahlparty CDU
Enttäuschte CDU-Anhänger bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - Wahlparty CDU
Daniel Bockwoldt (dpa)
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - Wahlparty AfD
AfD-Kandidat Holm meldet Anspruch auf die Regierung an.
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - Wahlparty AfD
Jens Büttner/dpa
Große Freude bei der AfD.
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern - Wahlparty AfD
Jens Büttner (dpa)
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern - Stimmabgabe Schwesig
SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig gibt in Schwerin ihre Stimme ab.
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern - Stimmabgabe Schwesig
Jens Büttner/dpa

Nach der krachenden Niederlage in Mecklenburg-Vorpommern ist der CDU-Landesvorsitzende Daniel Peters zurückgetreten. So geht es für Philipp Amthor weiter.

Update vom 21. September, 20.40 Uhr: Philipp Amthor soll vorerst als CDU-Landesvorsitzender in MV starten

Nach dem Ausscheiden der CDU aus dem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern ist Spitzenkandidat Daniel Peters als Landesvorsitzender zurückgetreten. Das kündigte der 45-Jährige nach einem Treffen des Landesvorstands in Schwerin an. CDU-Generalsekretärin Katy Hoffmeister trat ebenfalls zurück. Der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt, Philipp Amthor, soll das Amt kommissarisch übernehmen, wie Peters sagte.

Für ihn gehöre es zu einer verantwortungsvollen Politik, persönliche Konsequenzen zu ziehen, betonte Peters. "Ich bin mir sicher, dass die CDU Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft, auch wenn wir jetzt nicht dem Landtag angehören werden, eine tragende Rolle spielen wird", sagte Peters. 

Es war der erste öffentliche Auftritt von Peters nach der Auszählung der Stimmen, die für die CDU im Nordosten nur noch 4,9 Prozent eingebracht hatte. Die CDU verpasste damit erstmals den Einzug in ein Landesparlament in der Bundesrepublik. Peters war "am Tag danach" weder ins Konrad-Adenauer-Haus nach Berlin, noch stellte sich Generalsekretärin Hoffmeister der Landespressekonferenz im Schweriner Schloss. 

Peters hatte Parteivorsitz 2024 übernommen

Peters hatte den Landes- und Fraktionsvorsitz erst 2024 übernommen. Er war Nachfolger des Landtagsabgeordneten Franz-Robert Liskow, der Anfang 2024 überraschend seinen Rücktritt angekündigt hatte. 

An der CDU-Spitze im Nordosten gab es in den vergangenen Jahren viel Bewegung: Anfang 2020 war der damalige CDU-Hoffnungsträger Vincent Kokert überraschend zurückgetreten. Ihm folgte Michael Sack, der nach der dramatischen Wahlniederlage 2021 vorzeitig das Handtuch warf. Im März 2022 wurde Liskow zum Parteichef gewählt. In den Zwischenzeiten hatte Eckhardt Rehberg jeweils kommissarisch die Leitung der Landespartei übernommen. 

Peters hatte den Landes- und Fraktionsvorsitz der CDU erst 2024 von Liskow übernommen, zuvor war er deren Generalsekretär. Der Rostocker Politikwissenschaftler arbeitete einst für den langjährigen früheren CDU-Landtags-Fraktionsvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Rehberg.

Von Allwörden tritt von allen politischen Ämtern zurück

Vor Peters hatte bereits die stellvertretende Landesvorsitzende Ann Christin von Allwörden ihren Rücktritt erklärt. Zwar lasse auch sie das Wahlergebnis sprachlos zurück, schrieb von Allwörden bei Instagram. Für sie gehöre es aber dazu, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehöre auch "die Ehrlichkeit, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen", so die 47-Jährige. 

"Deshalb werde ich meine politischen Ämter als stellvertretende Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern sowie im Kreisvorstand der CDU Vorpommern-Rügen niederlegen", schrieb die ehemalige Polizeibeamtin, die die Uniform nun wieder anziehen will.

Update vom 21. September 2026, 06.24 Uhr: MV-Wahl 2026: CDU fliegt aus Landtag - übernimmt jetzt Amthor?

Die CDU mit Landesvorsitzendem Daniel Peters erlebt nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen das nächste Debakel - so formulierte es der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Friedrich Merz. Mit dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde liegt die Partei in Mecklenburg-Vorpommern in Trümmern.

Einst stellte die CDU die Regierungschefs im Land, regelmäßig erreichte sie Ergebnisse über 30 Prozent. Selbst die frühere Kanzlerin Angela Merkel hatte hier in Vorpommern-Rügen ihren Wahlkreis. Nun erzielt die CDU in MV ihr schlechtestes Resultat bei einer Landtagswahl überhaupt. Spitzenkandidat Peters beklagte zwar Gegenwind im Wahlkampf durch die Politik in Berlin, aber auch er selbst ist stark beschädigt. Die Diskussion um einen personellen Neuanfang scheint unausweichlich.

Nächstes Wahldesaster für CDU: Spekulationen um Amthor

Spekuliert wird dabei über den Namen Philipp Amthor. Der 34-Jährige aus Ueckermünde ist seit Juli Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt. Von April 2024 bis Mai 2025 war er Generalsekretär im CDU-Landesverband. Übernimmt er jetzt die Führung? Amthor wird zum konservativen Flügel der CDU gezählt. Ob er sich der Herausforderung stellen würde, ist unklar. Und dann ist da noch die Frage, ob es unter seiner Führung gelänge, der AfD wieder konservative Wähler abzuwerben.

Update vom 20. September 2026, 20.40 Uhr: CDU könnte aus Landesparlament fliegen

Die CDU ist in Mecklenburg-Vorpommern in Hochrechnungen sowohl von ARD als auch ZDF auf 5,0 Prozent gefallen und muss damit weiter um den Einzug in den Landtag zittern. Falls sie es nicht schafft, wäre dies das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die CDU nicht in ein Landesparlament einzieht.

Gleichzeitig wäre dies der schlechtmöglichste Wahlausgang aus Sicht des CDU-Vorsitzenden und Kanzlers Friedrich Merz, der das Ergebnis bereits am Abend als "Desaster"  bezeichnet hatte. Mit genau 5,0 Prozent wäre die CDU allerdings noch im Landtag vertreten.

Das BSW fällt in den Hochrechnungen beider Sender auf 4,9 Prozent und wäre damit nicht im Parlament. Dies wiederum hätte Auswirkungen auf eine mögliche Regierung unter Führung der bisherigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD): Schafft es das BSW nicht in den Landtag, steigen die Chancen, dass SPD, Linke und Grüne eine gemeinsame, wenn auch knappe Mehrheit erreichen.

Update vom 20. September, 19.08 Uhr: MV-Landtagswahl: AfD aktuell stärkste Partei, CDU muss um Einzug zittern

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD die AfD nicht ganz eingeholt - Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kann aber voraussichtlich weiter regieren. Nach den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF erleidet die CDU erneut ein Fiasko und könnte erstmals seit Gründung der Bundesrepublik nur ganz knapp im Parlament verbleiben. Die Linke verliert deutlich an Zustimmung, bleibt für Schwesig aber als Regierungspartnerin erhalten.

Die Grünen könnten wie die CDU knapp im Landtag bleiben, mussten zunächst aber zittern. Für das BSW ist dies noch ungewisser. Die FDP schafft es nicht über die Fünf-Prozent-Hürde.

SPD kann AfD nicht ganz einholen

Nach den Hochrechnungen von 18.30 Uhr hat die SPD mit einer ganz auf einen Zweikampf zugeschnittenen Kampagne die in den Umfragen führende AfD nicht ganz eingeholt. Schwesigs Partei schneidet mit 35,6 bis 36,3 Prozent schwächer als vor fünf Jahren ab (39,6 Prozent) - für den Machterhalt braucht sie neben der Linken nun wohl einen dritten Partner. Angesichts der bundesweiten Schwäche der Partei gilt das dennoch als großer Erfolg.

Die AfD von Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm hat mit 37,1 bis 37,8 Prozent ihr Ergebnis mehr als verdoppelt (16,7 Prozent) - allerdings fehlt ihr zum Regieren ein Partner, weil keine Partei mit ihr koalieren will.

Sie ist nun im dritten Landtag nach Thüringen und Sachsen-Anhalt stärkste Kraft.

CDU erleidet nächste Pleite innerhalb zweier Wochen

Die CDU mit ihrem Vorsitzenden Daniel Peters wird im stark polarisierten Wahlkampf zwischen AfD und SPD zerrieben und verliert mit 5,1 bis 5,4 Prozent (13,3) mehr als die Hälfte ihrer Stimmen. Für die Bundespartei ist es innerhalb von zwei Wochen das nächste Desaster nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt. Gleichwohl käme neben den Grünen die CDU für Schwesig als Stütze in Frage, wenn beide tatsächlich im Parlament bleiben sollten.

Die Linke bleibt mit 6,2 bis 7,4 Prozent weit unter den Erwartungen und unter dem Niveau der Wahl von 2021 (9,9). Die Grünen rutschen auf 5,5 Prozent (6,3). Die FDP fliegt mit 1 bis 1,1 Prozent (5,8) hochkant aus dem Landtag und ist nun bundesweit nur noch in vier Landesparlamenten vertreten. Das erstmals angetretene BSW muss mit 4,8 bis 5 Prozent bangen.

Nach den Nach-Wahl-Befragungen von Infratest dimap (ARD) und Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) könnte die Sitzverteilung im Schweriner Schloss wie folgt aussehen: SPD 26 bis 28 Mandate (2021: 34), AfD 27 bis 30 (14), Linke 5 bis 6 (9), CDU 4 (12), Grüne 4 (5). Die Mehrheit liegt bei 36 Mandaten. Rund 1,3 Millionen Menschen waren wahlberechtigt, darunter erstmals 16- und 17-Jährige. Die Wahlbeteiligung liegt nach der ZDF-Prognose bei 75,5 Prozent (70,8).

Druck auf Merz wächst wieder

Das Landesergebnis strahlt auch nach Berlin aus und dürfte den Druck noch einmal erhöhen, der seit dem CDU-Fiasko in Sachsen-Anhalt auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lastet. Er sprach von einem "Desaster". Das sagte Merz kurz nach den ersten Prognosen. Erst am Mittwoch hatten die acht CDU-Ministerpräsidenten ihrem mit Rückzugsforderungen konfrontierten Parteichef in einer gemeinsamen Erklärung den Rücken gestärkt. Die kurzzeitig erstickte Diskussion dürfte nun wieder voll entbrennen und die Koalition belasten.

Schwesig sagte, dies sei bislang die schwerste Landtagswahl gewesen. "Was für eine Aufholjagd." Sie meldete ihren Anspruch auf das Amt der Regierungschefin an.

Das tat aber auch die AfD. "Wir haben hier den Regierungsauftrag in Mecklenburg-Vorpommern", sagte Holm. Er kündigte an, alle Parteien einzuladen. "Denn es geht ja hier nicht um uns oder irgendwen oder irgendwelche Parteien und Pfründe oder dieses oder jenes. Es geht darum, dass wir unser Land wieder auf Vordermann bringen."

Für Regierungsbildung bleibt nicht viel Zeit

Trotz des Triumphs könnte die Regierungsbildung für Schwesig nicht einfach werden, weil es mit der bisherigen Partnerin Linke allein nicht reicht. Darum braucht die seit 2017 regierende Hoffnungsträgerin der Bundespartei weitere Unterstützung, etwa die Grünen. Die CDU - wenn denn im Parlament vertreten - dürfte sich wegen ihres Unvereinbarkeitsbeschlusses aber kaum an einer Koalition unter Einschluss der Linken als Rechtsnachfolgerin der DDR-Staatspartei SED beteiligen oder eine solche tolerieren.

Als vorstellbar gilt deshalb als Alternative zu Rot-Rot-Grün allenfalls ein rot-schwarzes Minderheitsbündnis, das ähnlich wie in Sachsen und Thüringen punktuell mit der Linken zusammenarbeitet.

Für die Regierungsbildung bleibt nicht übermäßig viel Zeit - anders als etwa in Sachsen-Anhalt. Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens 30 Tage nach der Wahl erstmals zusammentreten und innerhalb von weiteren vier Wochen, also spätestens am 17. November, mit der Mehrheit aller Abgeordneten einen Regierungschef wählen. Gelingt das nicht, kann eine Mehrheit der Abgeordneten innerhalb von weiteren zwei Wochen, somit bis 1. Dezember, die Auflösung des Landtags beschließen und damit eine Neuwahl herbeiführen - oder es wird noch am selben Tag ein Regierungschef mit einfacher Mehrheit gewählt.

Polarisierung zwischen AfD und SPD zerreibt die anderen

Der Wahlkampf war zuletzt stark polarisiert auf die alleinige Frage, wer gewinnt: SPD oder AfD. Der AfD-Sieg kurz vorher in Sachsen-Anhalt verschärfte die Frage noch. Die Rechtsaußenpartei warb auf Plakaten mit Holm als Ministerpräsident - die SPD mit Schwesig als "Die Frau gegen Blau". Das brachte dem Nicht-AfD-Lager insgesamt aber kaum Zuwachs, nur eine Umverteilung von Stimmen hin zur SPD. Denn die anderen Parteien drangen mit ihren Themen immer weniger durch. Inhaltlich ging es unter anderem um die Bildungspolitik. Die AfD kündigte an, in Regierungsverantwortung den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen.

Zudem belastete der bei vielen unbeliebte Reformkurs der Bundesregierung den Wahlkampf. Schwesig begegnete dem mit scharfer Distanzierung von der Berliner Koalition, der ihre eigene Partei mit angehört. Sie wandte sich gegen die Reformpläne zur Stabilisierung von Renten- und Pflegeversicherung, forderte vom Bund lautstark Entlastung von den hohen Spritpreisen und attackierte namentlich Kanzler Merz. Bei Ortsterminen gab sie sich volksnah als kümmernde Landesmutter. Ihre Sympathiewerte liegen etwa doppelt so hoch wie die des Herausforderers von der AfD. 

Die AfD wiederum wusste die Sorgen vieler Menschen angesichts globaler Krisen und den Wunsch nach einfachen und schnellen Lösungen für sich zu nutzen. Sie profitiert auch von dem sozialen Gefälle innerhalb des Landes zwischen den Tourismusregionen an der Küste und dem schwächeren Binnenland. Ministerpräsidentenkandidat Holm, ein im Land bekannter ehemaliger Radiomoderator, schlug dabei gemäßigtere Töne an als andere in der AfD. Der Bundestagsabgeordnete trat nur für das Regierungsamt an und nicht für den Landtag - in der Partei ist er auch deshalb nicht unumstritten.