Rüstungsinfos gesammelt? Mutmaßlicher Russland-Spion gefasst
Autor: dpa
, Donnerstag, 22. Oktober 2026
Er soll für Russland Informationen über Panzer, Munition und Militär-Standorte gesammelt haben. Wie der in Brandenburg festgenommene Mann dabei laut Bundesanwaltschaft vorging.
Es geht um Spionage für Russland, die europäische Rüstungsbranche und die Sicherheit an der Nato-Ostflanke: Die Bundesanwaltschaft hat in Brandenburg einen mutmaßlichen russischen Spion festnehmen lassen. Der Ukrainer soll für einen russischen Nachrichtendienst militärisch relevante Informationen gesammelt und dafür unter anderem Kontakte in die europäische Rüstungsindustrie genutzt haben.
Die höchste deutsche Strafverfolgungsbehörde wirft ihm daher geheimdienstliche Agententätigkeit vor: «Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, für einen Geheimdienst einer fremden Macht tätig gewesen zu sein.» Laut Strafgesetzbuch drohen ihm bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.
Bundeskanzler Friedrich Merz wertete die Festnahme als Erfolg, warnte aber vor weiteren Spähattacken: «Wir werden solche Fälle vermutlich in den nächsten Monaten und Jahren häufiger sehen.» Deutschland sei intensiver Spionagetätigkeit ausgesetzt, sagte der CDU-Politiker in Montenegro am Rande des Westbalkangipfels in Budva. «Insofern ist das heute ein Erfolg, dass dieser Fall aufgedeckt werden konnte. Aber täuschen wir uns nicht, die Aktivitäten des russischen Geheimdienstes in Deutschland sind unverändert hoch.»
Infos zu Panzern, Munition und die Sicherheit der Nato-Ostflanke
Beamte des Bundeskriminalamts hatten den Verdächtigen laut einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft am Donnerstag im Landkreis Oder-Spree festgenommen. Er soll am Freitag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet. Hintergrund seien Erkenntnisse des Bundesamtes für Verfassungsschutz gewesen.
Seit spätestens Juli 2025 soll der Beschuldigte über einen Mittelsmann in Kontakt mit dem russischen Nachrichtendienst gestanden haben. Zu den Informationen, die er mutmaßlich sammelte, gehörten den Angaben nach etwa Erkenntnisse über die Produktion von Panzern, Munition und Explosivstoffen sowie Personal und militärische Anlagen an Standorten zur Sicherung der Nato-Ostflanke. Einige dieser Informationen waren laut Bundesanwaltschaft öffentlich zugänglich. «Für andere schöpfte der Beschuldigte gezielt Personen aus der europäischen Rüstungsbranche ab», heißt es in der Mitteilung.
Der Mann sei kein sogenannter Wegwerf-Agent, hieß es in Sicherheitskreisen. So werden Handlanger ohne nachrichtendienstliche Ausbildung bezeichnet, die etwa über soziale Medien angeworben werden und für wenig Geld Schäden anrichten.
Bereits mehrere Festnahmen mutmaßlicher Russland-Spione
Allein in diesem Jahr wurden in Deutschland schon mehrere mutmaßliche Spione festgenommen, die hier im Auftrag russischer Geheimdienstler tätig gewesen sein sollen. Im Januar ließ die Bundesanwaltschaft in Berlin zum Beispiel eine Frau festnehmen, die für einen Geheimdienstmitarbeiter in der russischen Botschaft Informationen beschafft und ihm beim Aufbau von Kontakten geholfen haben soll. Gegen die Deutsch-Ukrainerin wurde mittlerweile Anklage am Kammergericht in Berlin erhoben.