Fotos von militärischen Konvois, Informationen zu Drohnenfirmen und Pläne für eine Sabotagetruppe: Was die Bundesanwaltschaft einem mutmaßlichen Spion für Russland vorwirft.
Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin einen mutmaßlichen Spion festnehmen lassen, der für Russland tätig gewesen sein soll. Der Mann habe «spätestens seit Mai 2025 von Deutschland aus fortlaufend in Kontakt zu einem russischen Geheimdienst» gestanden, teilte die oberste deutsche Strafverfolgungsbehörde mit. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.
Seinem Führungsoffizier übermittelte der kasachische Mann den Angaben zufolge unter anderem Informationen über die militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine sowie über die deutsche Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Dabei soll es insbesondere um Unternehmen gegangen sein, die Drohnen und Roboter entwickeln.
Fotos aus Berlin und Rekrutierung für Sabotagetruppe?
Außerdem soll der Verdächtige wiederholt Fotos von öffentlichen Gebäuden in Berlin oder von militärischen Konvois auf Autobahnen weitergeleitet haben - darunter auch von dem «Konvoi eines Nato-Staates». Seinen Kontaktmann beim russischen Geheimdienst soll er zudem über geeignete Sabotageobjekte in Deutschland informiert und angeboten haben, Personen für eine Sabotage- und Spionagetruppe zu rekrutieren.
Die Bundesanwaltschaft lege dem Beschuldigten zur Last, «dass er womöglich sich mit seinem Kontaktmann beim russischen Geheimdienst über Sabotagepläne ausgetauscht hat und sich Gedanken gemacht hat, wie man etwa den Schienen- und Flugverkehr stören könnte», erklärte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. «Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich hierbei zunächst um Ideen vorrangig gehandelt hat und behandeln auch das als eine Form der möglichen Spionage.»
Der mutmaßliche Spion, der schon länger in Deutschland lebt, wurde am Dienstag in Berlin von Beamten des Bundeskriminalamts festgenommen. Der 47-Jährige wurde am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnete und die Untersuchungshaft anordnete. Von möglichen Geldzahlungen an den Verdächtigen ist in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft nicht die Rede. Erste Erkenntnisse aus Sicherheitskreisen deuten ohnehin eher darauf hin, dass der Kasache seine Dienste wohl aus Überzeugung angeboten hat.
Russische Spione im Visier der Bundesanwaltschaft
Russische Spionage beschäftigt die Bundesanwaltschaft schon länger. Allein in diesem Jahr ließen Deutschlands oberste Strafverfolger bereits mehrere mutmaßliche Agenten festnehmen. Aufsehen erregte im Januar etwa die Festnahme einer Deutsch-Ukrainerin, die für einen russischen Geheimdienst spioniert haben soll. Sie soll Informationen über Teilnehmer hochkarätiger politischer Veranstaltungen zusammengestellt und sich zu Standorten der Rüstungsindustrie und geplanten Lieferungen von Drohnen an die Ukraine erkundigt haben, so der Vorwurf. Dabei habe sie sich auch an ehemalige Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums gewandt, die sie persönlich kannte.
Im März wurden zwei mutmaßliche Spione in Rheine in Nordrhein-Westfalen und im spanischen Elda gefasst. Die Männer sollen im Auftrag eines russischen Geheimdienstes einen Mann ausspioniert haben, der aus Deutschland Drohnen in die Ukraine lieferte. Das Ausspähen sollte nach Einschätzung der Ermittler «weitere geheimdienstliche Operationen gegen die Zielperson» vorbereiten. Kurz darauf wurde in Hagen ein Mann festgenommen, der im Auftrag Russlands einen ehemaligen Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte in Deutschland ausspioniert haben soll.