Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause
Autor: Britta Schultejans und Cordula Dieckmann, dpa
, Sonntag, 22. März 2026
Vor der Wahl um das Münchner Rathaus haben dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause viele nur wenige Chancen eingeräumt - jetzt hat er Geschichte geschrieben.
An diesem historischen Sonntag will Dominik Krause nichts dem Zufall überlassen. Um ganz sicherzugehen, dass es auch klappt mit dem Wahlsieg, radelt er noch einmal zur Münchner Residenz und reibt einem Bronzelöwen am Eingang die Schnauze, wie er auf Instagram zeigt. Das soll Glück bringen, wissen die Münchner.
Und tatsächlich schafft Krause wenige Stunden später, was vor einigen Wochen noch als undenkbar galt: Er gewinnt deutlich gegen den lange als nahezu unbesiegbar geltenden Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) - und zieht als erster Grüner in der Münchner Geschichte als Chef ins Rathaus ein. Aus dem Stellvertreter wird der Oberbürgermeister. 56,4 Prozent der Stimmen hat er in der Stichwahl bekommen, Reiter nur 43,6 Prozent.
Party bei den Grünen: «Irre» - «Wahnsinn»
«Irre» sei das und «Wahnsinn», sagt Krause, als er bei der Wahlparty der Grünen zu Sprechchören und dem Wiesn-Kracher «Bella Napoli» auf die Bühne tritt. Er spricht von einem historischen Tag, einer Sensation und bedankt sich «für das gigantische Vertrauen», das die Münchner ihm entgegenbringen. Er wolle «ein weltoffenes und buntes München erhalten» und: «Die Münchnerinnen und Münchner haben gezeigt, sie haben genau darauf Bock». Das sei die eigentliche Sensation an diesem Abend.
Die Sache mit der Wiesn und der «offenen Drogenszene»
Schon bei seinem Überraschungserfolg im ersten Wahlgang am 8. März, als er den Amtsinhaber Reiter in die Stichwahl zwang, hatte der 35-Jährige bundesweit Schlagzeilen gemacht. So viel Aufmerksamkeit war ihm davor erst einmal zuteilgeworden - 2023 nämlich, kurz nach seinem Amtsantritt als Zweiter Bürgermeister. Damals nannte er das Münchner Oktoberfest die «weltweit größte offene Drogenszene». Jetzt wird er als erster Grüner überhaupt die Wiesn eröffnen und das erste Fass anzapfen.
Zwei Schläge - das Maß aller Dinge vor der ersten Wiesn-Maß - traue er sich durchaus zu. «Das hab' ich schon mehrfach geschafft», sagte er während des Wahlkampfs.
Krause dankt Reiter
Die Sache mit der Wiesn war die einzige Provokation, die sich Krause bislang erlaubt hat. Er tritt betont freundlich, manchmal fast zurückhaltend auf. Auch im Wahlkampf, als sein Konkurrent Reiter wegen der Affäre um vergütete Mandate beim FC Bayern München massiv ins Straucheln geriet, blieb der 35-Jährige stets fair, griff den Amtsinhaber nie persönlich an, betonte im Gegenteil die stets gute und wertschätzende Zusammenarbeit mit seinem bisherigen Chef.
Bei der Wahlkampfparty der Grünen mussten seine Unterstützer nach Angaben eines Sprechers auch darum etwas länger auf ihn warten, weil er erst noch mit dem unterlegenen Reiter schrieb. Seine erste von vielen Danksagungen gilt dann auch seinem Konkurrenten. «Wir haben gezeigt, wie Politik ausschauen kann», sagt er. «Vielen Dank an Dieter Reiter.»