Mogeln bei Milka? Warum es vor Gericht um Schokolade geht
Autor: Mirjam Uhrich, dpa
, Mittwoch, 22. April 2026
Die lila Packung bleibt, es ist aber weniger drin: Wer eine Tafel Milka kauft, bekommt weniger Schokolade als früher. Warum deshalb vor Gericht gestritten wird - und worauf Verbraucher achten sollten.
Wird bei Milka gemogelt? Die Schokoladentafel kostet mehr, wiegt aber weniger. «Doch der Verpackung sieht man das nicht an», kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie wirft dem Hersteller Mondelez vor, die Kunden zu täuschen - und zieht vor Gericht.
Warum es in dem Verfahren vor dem Landgericht Bremen um mehr als Schokolade geht und worauf Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkaufen achten sollten:
Worum geht es in dem Prozess?
Viele Milka-Tafeln wiegen nur noch 90 statt 100 Gramm. «Während die Verpackung und das Design identisch sind, ist die Tafel selbst unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden», teilte die Verbraucherzentrale mit. Gleichzeitig sei der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro gestiegen. Die Verbraucherzentrale wirft dem Hersteller Mondelez vor, die Kundinnen und Kunden in die Irre zu führen. Sie klagt wegen unlauteren Wettbewerbs.
Der Hersteller selbst weist die Kritik zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, teilte eine Mondelez-Sprecherin mit. Das Unternehmen habe die Kunden in den sozialen Medien über die Änderungen informiert. Eine Übersicht mit allen Tafeln, Sorten und Gewichten sei jederzeit auf der Milka-Website zu finden.
Nach einer ersten Einschätzung des Gerichts könnte es sich bei der neuen Milka-Tafel tatsächlich um eine Mogelpackung handeln. «Der Verbraucher erkennt keinen Unterschied», sagte der Vorsitzende Richter zu Verhandlungsbeginn am Landgericht Bremen. Die endgültige Entscheidung soll am 13. Mai verkündet werden.
Wie viele Produkte sind noch betroffen?
Die Milka-Tafeln seien kein Einzelfall, betont Armin Valet, Lebensmittel-Experte bei der Verbraucherzentrale Hamburg. «Dieses Vorgehen ist sehr verbreitet und kommt quer durch den Supermarkt vor.» Hersteller würden klammheimlich die Füllmenge reduzieren. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als «Shrinkflation» bezeichnet. Shrink ist Englisch heißt übersetzt schrumpfen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit mehr als 1.000 Mogelpackungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Häufig betroffen seien Markenprodukte, vor allem Süßwaren. Im vergangenen Jahr wurden 77 Produkte neu aufgenommen - rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verbraucherschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.