Minister: Mehr Wettbewerb bei Fernzügen gut für Fahrgäste
Autor: Matthias Arnold, Andreas Hoenig und Sascha Meyer, dpa
, Mittwoch, 15. Juli 2026
Der Fernverkehr auf der Schiene wird dominiert von den ICE und Intercity. Von mehr Konkurrenz erwartet der Verkehrsminister Vorteile für die Kunden - sieht aber auch ein Risiko.
Mehr Wettbewerb bei Fernzügen in Deutschland ist aus Sicht von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder grundsätzlich eine gute Sache für Fahrgäste - allerdings dürften sich neue Unternehmen nicht nur lukrative Strecken schnappen und die Anbindung ganzer Regionen vernachlässigen. «Im Grundsatz kann man überhaupt nichts gegen Wettbewerb auf der Schiene haben, aus Kundensicht jedenfalls überhaupt nicht», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die Fernzuganbindungen abseits der großen Metropolregionen erhalten blieben.
Nicht nur lukrative Strecken heraussuchen
«Ich möchte natürlich nicht, dass es ein Unternehmen gibt, das sich nur lukrative Strecken raussucht und mit den lukrativen Strecken viel Geld verdient und es an anderen Stellen im Netz und in der Verbindung ein Problem gibt», sagte Schnieder. «Wenn sich das System komplett umkehrt, und das im großen Stile nicht mehr der Fall wäre, dann wäre das eine Marktentwicklung, bei der man überlegen muss: Kann ich das verändern? Muss ich das verändern?»
Hintergrund ist der angekündigte Markteinstieg des italienischen Unternehmens Italo, das ab 2028 den ICE und Intercity der bundeseigenen Deutschen Bahn Konkurrenz machen will. Die Pläne sehen vor, zunächst die Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund im Stundentakt und München-Berlin-Hamburg alle zwei Stunden zu fahren. Italo will dafür 30 Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Zugverbindungen ab dem Frühjahr 2028 auf die Gleise schicken.
Bahnbranche in Aufruhr
Die Bahnbranche ist seit dieser Ankündigung in Aufruhr. Fahrgastverbände, Gewerkschaften, Verkehrsverbünde und die Bahn selbst warnen davor, dass der Markteinstieg von Italo zulasten des Regional- und Fernverkehrs in der Fläche gehen könnte.
Die Verbünde im Regionalverkehr warnen davor, auf dem ohnehin schon zu vollen Netz rund um die Knoten nicht mehr zum Zug zu kommen. Im Fernverkehr wiederum gibt es die Befürchtung, dass die Bahn Nebenverbindungen nicht mehr finanzieren kann, wenn sie auf den wirtschaftlichen Rennstrecken zwischen den Metropolregionen Trassen abgeben müsste.
Bisher nur ein größerer Wettbewerber im Fernverkehr
Derzeit dominiert die Deutsche Bahn rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland - in ihren Fernzügen waren allein im vergangenen Jahr 136 Millionen Menschen unterwegs. Der nahezu einzige größere Wettbewerber ist die Reiseplattform Flix mit ihren grünen Zügen. Dass jetzt ein Unternehmen dazukomme, sei also gar nichts Neues, sagte Minister Schnieder. «Nein, da kommt nur einer, der vielleicht andere Ambitionen hat, vielleicht einen anderen Rahmen anbietet.»
Die Bundesnetzagentur hat kürzlich entschieden, dass Wettbewerber der Bahn künftig auf stark ausgelasteten Strecken mindestens ein Viertel der dortigen Kapazitäten erhalten müssen.