Kone übernimmt TK Elevator - Kritik von IG Metall
Autor: Natali Schwab, dpa-AFX, und Helge Toben, dpa
, Mittwoch, 29. April 2026
Mit dem Zusammenschluss von Kone und TK Elevator dürfte ein neuer Marktführer entstehen. Warum die IG Metall von einem Angriff auf die Mitbestimmung spricht.
Milliarden-Deal auf dem Weltmarkt für Aufzüge und Rolltreppen: Der familiengeführte finnische Aufzughersteller Kone übernimmt den bisherigen Konkurrenten TK Elevator (TKE) von einem Konsortium um die Finanzinvestoren Cinven und Advent. Die Transaktion bewertet die ehemalige Aufzugsparte von Thyssenkrupp mit 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden, wie die Parteien mitteilten. Die Übernahme solle in bar und neuen Kone-Aktien erfolgen, hieß es.
Mit einem Abschluss wird frühestens im zweiten Quartal 2027 gerechnet. Die zuständigen Behörden müssen dem Deal noch zustimmen. Die TKE- Konzernzentrale hat ihren Sitz in Düsseldorf.
Kone wäre rechnerisch neuer Marktführer
Gemessen an den aktuellen Umsätzen würde Kone mit dem Deal alle anderen Aufzug- und Rolltreppenhersteller weit hinter sich lassen: Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das US-Unternehmen Otis mit umgerechnet rund 12,3 Milliarden Euro die Nase vorn - vor dem Schweizer Konzern Schindler, der auf umgerechnet knapp 11,9 Milliarden Euro kam. Kone erzielte gut 11,2 Milliarden, TKE gut 9,2 Milliarden Euro. Das neue Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern käme damit rechnerisch auf einen Jahresumsatz von knapp 20,5 Milliarden Euro.
TK Elevator gehörte bis 2020 zum Industriekonzern Thyssenkrupp, der die Mehrheit an dem Unternehmen dann für 17,2 Milliarden Euro an Cinven und Advent verkaufte. Thyssenkrupp ist noch an TK Elevator beteiligt. Kone hatte damals schon mit Hilfe des Finanzinvestors CVC einen Versuch unternommen, TK Elevator zu übernehmen, kam aber nicht zum Zuge.
Thyssenkrupp-Aktie profitiert
Die Aktie von Thyssenkrupp legte deutlich zu. Am frühen Nachmittag lag sie mehr als acht Prozent über dem Schlusskurs des Vortags. Analysten sehen den Essener Industriekonzern als einen großen Profiteur des Deals. Thyssenkrupp wollte sich zu den Auswirkungen der geplanten Übernahme noch nicht äußern. «Wir prüfen derzeit die genauen Implikationen auf unseren Anteil an TK Elevator», sagte eine Sprecherin des Unternehmens.
Die Transaktion sieht vor, dass das Konsortium um Cinven und Advent fünf Milliarden Euro in bar sowie neue Aktien erhalten soll. Die bisherigen Aktionäre hielten an dem fusionierten Unternehmen dann 33,8 Prozent der Anteile und 18,3 Prozent der Stimmrechte, hieß es laut Mitteilung. Kone-Aufsichtsratschef Antti Herlin soll auch nach dem Zusammenschluss mehr als 50 Prozent der Stimmrechte behalten.
Jährlich 700 Millionen Euro Kosteneinsparungen geplant
Der Zusammenschluss soll Kosten senken. Kone beziffert das Potenzial auf jährlich rund 700 Millionen Euro Vorsteuer-Kosteneinsparungen. Die Synergien sollen unter anderem durch eine höhere Dichte der Servicenetze entstehen. Rund zwei Drittel der Umsätze werden den Angaben zufolge im Geschäft mit Service und Modernisierung erzielt.