Diesmal Brasilien: Merz löst nächste Stadtbild-Debatte aus
Autor: Michael Fischer, Torsten Holtz und Philipp Znidar, dpa
, Donnerstag, 20. November 2025
Mit seiner Äußerung über die brasilianische Stadt Belém löst der Kanzler Empörung in Brasilien aus. In Deutschland fühlen sich einige an eine Debatte erinnert, die längst ausgestanden schien.
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das deutsch-brasilianische Verhältnis durch seine viel kritisierte Äußerung über die brasilianische Millionenstadt Belém nicht als belastet an. «Ich habe gesagt, Deutschland ist eines der schönsten Länder der Welt, und das wird vermutlich auch Präsident Lula so akzeptieren», sagte der CDU-Vorsitzende bei einer Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Berlin.
Er werde am Wochenende beim G20-Gipfel im südafrikanischen Johannesburg «völlig unbelastet» mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva sprechen. Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Stefan Kornelius gesagt, das Merz sich nicht entschuldigen werde.
Der Kanzler hatte sich nach seinem Besuch bei der Klimakonferenz in Belém auf einem Handelskongress in Berlin zu seinen Eindrücken von der armen Millionenstadt am Amazonas geäußert. «Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben», sagte er. «Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.» Man lebe in Deutschland «in einem der schönsten Länder der Welt».
«Unglücklich, arrogant und voreingenommen»
Der letzte Satz war die Botschaft, die Merz mit seiner Äußerung verbinden wollte. In Brasilien kam das ganz anders an. Mit einigen Tagen Verzögerung brach sich die Empörung Bahn. Etliche brasilianische Medien griffen die Bemerkung auf. Das Nachrichtenportal «Diário do Centro do Mundo» schrieb von einem «unverschämten Vergleich». Auch der Bürgermeister der Stadt reagierte auf Merz´Aussagen und bezeichnete diese als «unglücklich, arrogant und voreingenommen».
Der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, postete Berichten zufolge auf X, er sei «nicht so höflich» wie seine Freunde in Pará, und schrieb zu Merz: «Sohn von Hitler! Mistkerl! Nazi!» Den Post löschte er kurz darauf wieder und schrieb stattdessen: «Das war mein heutiger Frustabbau. Bleibt ruhig im Außenministerium. Es lebe die Freundschaft zwischen Brasilien und Deutschland.»
Lula: Merz hätte in Belém tanzen sollen
Auch Lula meldete sich zu Wort. Merz hätte in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, «denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten», sagte er.
Lula hatte die selbst für brasilianische Verhältnisse arme Stadt Belém bewusst als Gastgeberstadt ausgewählt, trotz großer logistischer Probleme wie zu wenig Hotelbetten. Dem linken Politiker geht es darum, der Welt die Klimakrise am Amazonas vor Augen zu führen, und zugleich die harte soziale Realität in einer Millionenmetropole im Globalen Süden.