Merz fordert «schöpferische Anstrengungen» gegen Extremismus
Autor: dpa
, Mittwoch, 14. Oktober 2026
Wie begegnet man dem rasant wachsenden Extremismus in Deutschland? Der Kanzler widmet sich dieser Frage in seiner Regierungserklärung im Bundestag. Scharfe Angriffe kommen von der AfD.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Bundestag dazu aufgerufen, mit «schöpferischen Anstrengungen» gegen Extremismus vorzugehen. Der CDU-Chef sprach in diesem Zusammenhang in seiner Regierungserklärung zum EU-Gipfel auch direkt die Abgeordneten der AfD an und kritisierte ihr «höhnisches Gelächter mit der Freude an der Zersetzung und an der Zerstörung».
«Schöpferische Anstrengung ist es, was wir alle in unserem Land jetzt brauchen», sagte der Kanzler. «Die haben wir aufzubringen und die werden wir aufbringen auch und gerade gegen den Extremismus, (...) der gerade wieder in dieses Parlament eindringt und in die Landesparlamente eindringt und in die Alltagswelt unseres Landes».
Kaum Zwischenrufe der AfD - aber scharfe Angriffe in Reden
Er spielte damit auf die Landtagswahlen im September an, bei denen die AfD deutlich hinzugewonnen hat und in Sachsen-Anhalt möglicherweise an die Regierung kommen wird. In Berlin wurde die Linke stärkste Partei und will nun eine Regierung mit SPD und Grünen bilden.
Die Abgeordneten der AfD hielten sich im Gegensatz zur letzten Generaldebatte im Bundestag diesmal mit Zwischenrufen zurück. In der Haushaltsdebatte im September waren sie noch mehrfach von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ermahnt worden.
In ihren Reden griffen sie Merz aber scharf an. AfD-Chef Tino Chrupalla warf dem Kanzler «politisches Versagen» vor. Nichts habe sich getan, sagte er mit Blick auf Bereiche wie Rente, Pflege oder Gesundheit. «Herr Bundeskanzler, Hand aufs Herz, das wird nichts mehr», sagte Chrupalla. Seine Co-Chefin Alice Weidel sagte: «Es ist vorbei, Herr Merz.»
«Russische Agentin mit Wohnsitz in der Schweiz»
Beide AfD-Chefs wiederholten Forderungen ihrer Partei, die militärische Unterstützung für die Ukraine einzustellen. Weidel rief erneut dazu auf, Erdöl und Erdgas aus Russland zu beziehen. Laute Zwischenrufe durch den Grünen-Abgeordneten Anton Hofreiter quittierte Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) anschließend mit den Worten, er sei sich nicht sicher, ob die Formulierung «Russische Agentin mit Wohnsitz in der Schweiz» eine parlamentsangenmessene Äußerung sei. Er werde prüfen, ob er dazu einen Ordnungsruf gegen Hofreiter erteilen müsse.
Merz und Macron wollen Schutzinstrumente für Wirtschaft
Hauptthema der Regierungserklärung war der EU-Gipfel, zu dem Merz am Abend nach Brüssel reist. Die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beschäftigen sich unter anderem mit dem EU-Haushalt und mit neuen Schutzinstrumenten für die europäische Wirtschaft. «Wir sehen nicht länger tatenlos zu, wenn andere Staaten durch hohe Subventionen, künstlich abgewertete Währungen, Überkapazitäten und aggressive Preissetzung unserer Wirtschaft schaden», sagte er in seiner Regierungserklärung.