Merz in Peking: Wie abhängig ist Deutschland von China?
Autor: Andreas Hoenig und Johannes Neudecker, dpa
, Sonntag, 22. Februar 2026
Wirtschaftsfragen dürften beim Kanzlerbesuch in China ganz oben stehen. Exportkontrollen zeigen, welchen Druck Peking ausüben kann. Wie kann sich Deutschland aus der Abhängigkeit von China lösen?
Es ist eine Reise mit viel Brisanz - zu einem Partner und Rivalen. Zum ersten Mal in seiner Amtszeit besucht Bundeskanzler Friedrich Merz ab Dienstag China. Die Volksrepublik ist ein überragend wichtiger Markt für deutsche Unternehmen. Die deutsche Wirtschaft beklagt aber zunehmend Hemmnisse. Zugleich nimmt die weltweite Bedeutung Chinas als Wirtschaftsmacht zu.
Wichtiger deutscher Handelspartner
China ist neben den USA Deutschlands wichtigster Handelspartner, gemessen am Außenhandelsumsatz. Doch das Handelsdefizit ist groß. Wie eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, haben 2025 die Importe aus China den Wert der dorthin exportierten Waren um rund 90 Milliarden Euro übertroffen. Das Handelsbilanzdefizit stieg gegenüber dem Vorjahr um gut ein Drittel. Die Ausfuhren nach China seien 2025 um fast zehn Prozent eingebrochen. China sei auf Platz sechs der wichtigsten deutschen Exportpartner gerutscht.
IW-Experte Jürgen Matthes sprach von einem «China-Schock». Die rückläufigen Ausfuhren nach China bremsten die deutsche Exportwirtschaft. «Mit den stark steigenden Einfuhren aus China nimmt auch der Konkurrenzdruck durch chinesische Waren hierzulande weiter kräftig zu.» Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) schrieb in ihrer neuen Konjunkturumfrage, chinesische Anbieter hätten sich zu «ernstzunehmenden Konkurrenten» in Kernbranchen der deutschen Industrie entwickelt - deren Lage ohnehin schwierig ist.
Deutschland importiert aus China vor allem elektronische Geräte wie Computer und Smartphones, daneben Batterien, Maschinen, Textilien sowie chemische Erzeugnisse. Wichtige deutsche Exportgüter sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte.
Wichtiger Standort
Für deutsche Unternehmen bleibt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gerade in global unsicheren Zeiten ein wichtiger Standort. Autobauer verlagern seit der Corona-Pandemie ihre Forschung und Entwicklung nach China, um mit der Geschwindigkeit im heiß umkämpften Automarkt mithalten zu können und ihre Fahrzeuge besser auf die Bedürfnisse chinesischer Kunden anzupassen.
2025 investierten deutsche Firmen rund sieben Milliarden Euro neu in der Volksrepublik - deutlich mehr als in den Vorjahren, wie eine IW-Auswertung auf Grundlage vorläufiger Zahlen der Deutschen Bundesbank ergab.
Wachsende Probleme
Deutsche Firmen klagen seit Jahren über Probleme beim Marktzugang, undurchsichtige Regelungen und Nachteile gegenüber der vom Staat bevorzugten chinesischen Konkurrenz. Dazu kommen chinesische Exportbeschränkungen bei wichtigen Rohstoffen. Lange Warte- und Bearbeitungszeiten und zusätzlichen Unsicherheiten in den Lieferketten machen vor allem kleine und mittlere Unternehmen Sorgen.