Wie die Bundesregierung die maritime Wirtschaft stärken will
Autor: Lennart Stock, Mirjam Uhrich und Elmar Stephan, dpa
, Mittwoch, 29. April 2026
Ein 15-Punkte-Plan, Investitionen in Schiffbau und Forschung: Bundeskanzler Merz will die maritime Wirtschaft stärken - doch bei den wichtigen Seehäfen schwelt weiter ein ungelöster Streit ums Geld.
Die Bundesregierung möchte die maritime Sicherheit Deutschlands und die Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Wirtschaft stärken - helfen soll dabei ein Aktionsplan mit 15 Punkten. «Wie schnell wir in beiden Bereichen zugleich vorankommen, entscheidet darüber, wie gut, wie frei, wie wohlhabend wir in Deutschland im 21. Jahrhundert leben», sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu Beginn der Nationalen Maritimen Konferenz im ostfriesischen Emden. Er ist Schirmherr des Spitzentreffens der maritimen Branche, das planmäßig alle zwei Jahre ausgerichtet wird.
Was die Regierung plant
Die Bundesregierung möchte Tempo machen und hat dazu zu Konferenzbeginn einen Plan vorgelegt. Das Papier umfasst unter anderem folgende Ziele und Absichten:
- die maritime Sicherheit stärken und kritische Infrastrukturen wie Seekabel, Pipelines und Häfen schützen
- die Seehäfen für einen möglichen Konfliktfall ertüchtigen
- klimafreundliche Antriebe und Kraftstoffe für Schiffe entwickeln
- den Bau von Konverterplattformen für Offshore-Windenergie fördern
- die Tonnagesteuer, eine besondere Art der Gewinnermittlung für Handelsschiffe im internationalen Verkehr, auf Offshore-Schiffe ausweiten
- den Offshore-Windkraftausbau optimieren
- Behördenschiffe als sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologie beschaffen
Bei der zweitägigen Konferenz (NMK) berät die Bundesregierung mit rund 800 Vertretern von Wirtschaftsverbänden, Unternehmen, Gewerkschaften und Behörden über die strategische Ausrichtung ihrer maritimen Politik.
Koordinator erwartet mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze
Bekannt ist bereits, dass die Bundesregierung die Branche unter anderem mit Investitionen in die maritime Forschung und einem Großbürgschaftsprogramm für den Schiffbau unterstützen möchte. «In Zukunft werden Millionen- oder sogar milliardenschwere Projekte in Deutschland durch den Bund abgesichert», sagte Christoph Ploß (CDU), Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft. «Früher sind solche Projekte häufig nach Asien gegangen, und damit sind aber auch Arbeitsplätze und die Wertschöpfungsketten nach Asien gegangen.»
Bis zu 400.000 Stellen hängen laut Bundesregierung direkt oder indirekt von der maritimen Wirtschaft ab - und es dürften noch deutlich mehr werden. «Über 100.000 neue Arbeitsplätze erwarten wir dort in den nächsten Jahren», sagte Ploß. «Das ist eine echte Zukunftsbranche.»
Die maritime Wirtschaft zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der hierzulande. Rund 60 Prozent aller deutschen Im- und Exporte werden nach Angaben des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) über den Seeweg abgewickelt. Zur Branche gehören auch der Schiffbau, die Offshore-Industrie und die Fischerei.