Druckartikel: Merz "ein politischer Volltrottel"? Was Gauck zu einem möglichem Rücktritt sagt

Merz "ein politischer Volltrottel"? Was Gauck zu einem möglichem Rücktritt sagt


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Berlin, Samstag, 03. Oktober 2026

Bundeskanzler Merz steht mächtig unter Druck. Joachim Gauck hält wenig davon, den Kanzler jetzt abzuschreiben - und findet mit Blick auf einen möglichen Rücktritt deutliche Worte.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält die Laudatio bei der Verleihung des internationalen Preises des Westfälischen Friedens 2026. Ein Rücktritt des Bundeskanzlers wäre nach Meinung des Altbundespräsidenten Joachim Gauck "total schädlich".


Altbundespräsident Joachim Gauck steht einem möglichen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch gegenüber. "Wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel", sagte der 86-Jährige im Spiegel-Spitzengespräch. "Das wäre wirklich total schädlich. Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde."

Gauck versicherte, er wolle nicht auf Merz "eindreschen". Angesichts "so vieler Feinde der liberalen Demokratie" dürfe die Kritik nicht übertrieben werden, als wäre "die demokratische Mitte nicht mehr imstande zu führen". "Dann gehen wir zu weit."

Merz' Rücktritt wäre laut Gauck "total schädlich" - trotz Rekordtief 

Gauck räumte zugleich einen "eklatanten Widerspruch" zwischen früheren Aussagen des Kanzlers und dessen späterem Handeln ein. Er sei sich "zu 100 Prozent sicher", dass sich derzeit "unglaubliche Kämpfe" in Merz' Kopf abspielten. Der Kanzler habe viel Kritik gehört, auch aus den eigenen Reihen. "Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen", sagte Gauck. Mutige Ansagen seien zunächst positiv. Wenn daraus zu wenig folge, liege das nicht nur an den Schwierigkeiten innerhalb einer Koalition.

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Auch die Medien hätten Merz verunsichert, sagte Gauck zu Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen. "Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert." Politiker müssten das zwar aushalten. Merz sei aber "von der Zunft schon runtergeschrieben" worden, bevor er überhaupt angefangen habe zu regieren.

Für Bundeskanzler Friedrich Merz setzt sich der Abwärtstrend seiner Beliebtheit nach dem Stimmungstief fort. Lediglich zehn Prozent der Befragten im ARD-"Deutschlandtrend" zeigen sich mit der Arbeit des CDU-Politikers zufrieden oder sehr zufrieden. Wie der WDR mitteilte, handelt es sich dabei um den niedrigsten Wert für einen Kanzler in der Geschichte des "Deutschlandtrends" seit 1997. Fast neun von zehn Menschen (88 Prozent) äußern sich hingegen weniger oder gar nicht zufrieden. Anfang September hatte Merz' Zustimmung noch bei 13 Prozent gelegen.

Pistorius trotzt dem Stimmungstief

Für den ARD-"Deutschlandtrend" befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch (28. - 30. September 2026) insgesamt 1303 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland - die Befragung ist repräsentativ.

Auch für die Union bringt die Umfrage wenig Erfreuliches. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU und CSU auf 20 Prozent - ein Punkt weniger als Anfang September. Die AfD bliebe unverändert bei 27 Prozent. Die Grünen würden mit 16 Prozent vor der SPD mit 13 Prozent liegen. Die Linke käme auf 11 Prozent, während die FDP mit 4 Prozent nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen würde.

Deutlich höhere Zufriedenheitswerte als der Kanzler erzielt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Fünfzig Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden. Mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) sind rund 34 Prozent zufrieden, und mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) etwa 27 Prozent. Mit Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist jeder Fünfte zufrieden, und mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) etwa jeder Sechste.

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