Spahn-Beben könnte zu Regierungsumbau führen
Autor: Michael Fischer und Jörg Ratzsch, dpa
, Sonntag, 19. Juli 2026
Nach dem Rücktritt des Unionsfraktionschefs will Kanzler Merz eine Hängepartie vermeiden und schnelle Entscheidungen herbeiführen. Das Spahn-Beben birgt für ihn eine Chance.
Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) will Bundeskanzler Friedrich Merz die Nachfolge schnell klären und schließt einen Personalumbau in der Bundesregierung nicht aus. «Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken», sagte er im ZDF-«Sommerinterview», verwies zugleich aber wiederholt darauf hin, dass man hier im Konjunktiv spreche.
Die Personalspekulationen laufen bereits auf Hochtouren. Als Kandidat Nummer eins für den Fraktionsvorsitz gilt der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU). Sollte er es werden, würde automatisch eine Kabinettsumbildung nötig. Über das Wochenende führte der Kanzler Gespräche mit CSU-Chef Markus Söder, der mit ihm zusammen das Vorschlagsrecht für den Fraktionsvorsitz hat.
Am Montag leitet Merz eine Sitzung des CDU-Präsidiums. Ob er da schon einen Vorschlag präsentieren wird, ist unklar. Bis zu seiner ab Ende Juli geplanten Urlaubszeit will er die Sache jedenfalls geklärt haben.
Merz drängte Spahn zum Rücktritt
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn Georg zur Welt. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn als CDU-Politiker mitgetragen hat. In der Union, für die die Leihmutterschaft ein emotional sehr aufgeladenes Thema ist, brach ein Sturm der Empörung los.
Am Samstag beugte sich Spahn dem rasant wachsenden Druck – der nicht zuletzt vom Kanzler selbst kam – und informierte die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion über seinen Rücktritt. «Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste», schrieb er.
Kanzler will Hängepartie vermeiden
Für Merz geht es nun zunächst einmal darum, eine Hängepartie zu vermeiden und das positive Momentum des kurz vor der Sommerpause gelungenen Reformpakets zu erhalten. «Wir werden in den Parteigremien in den nächsten Tagen darüber sprechen und wir werden relativ bald einen Vorschlag machen», sagte er im ZDF. Er fügte zwar hinzu, dass die Zeit nicht dränge. Aber eine Entscheidung in der kommenden Woche gilt als wahrscheinlich.
Welche Chancen sich für den Kanzler ergeben
Für Merz stecken in der aktuellen Krisensituation auch einige Chancen.