Für die Männer und Frauen der Bundeswehr gebe es im Kampf «keine geschützten Räume mehr», sagt Freuding. Das habe für die Landstreitkräfte revolutionäre Folgen.
«Massierung, also das gezielte Zusammenziehen und Konzentrieren von Truppe und Waffenwirkung an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, war über Jahrhunderte die Voraussetzung für eine solche Schwerpunktbildung, für Initiative, für Entscheidung. Diese Massierung wird heute zum inhärenten Vernichtungsrisiko», sagt er. Und: «Wir müssen künftig anders kämpfen.»
Um nicht leichtes Ziel zu sein, müssen die Soldaten aufgelockert in der Fläche verteilt, gar vereinzelt und nur als Ausnahme und zeitlich begrenzt «massiert» auftreten. Das Heer schaut dabei auch auf die Kampfweise des möglichen Gegners.
Das neue Kriegsbild: Transparenz und Einsatz von Masse
Russland hat gegen die Ukraine im vergangenen Jahr bis zu 300.000 Kleindrohnen sowie rund 100.000 sogenannte Kamikazedrohnen eingesetzt. Gegen eine solche Masse müssen günstige Abwehrwaffen her.
Zudem erhöht der Datenfluss aus Beobachtungssystemen sowie der Einsatz von KI-Waffen das Tempo im Gefecht. Deutsche Militärs haben in ukrainischen Gefechtsständen gesehen, wie im Sekundentakt Informationen eintreffen, ausgewertet und für die Bekämpfung genutzt werden.
Der mögliche Gegner rüstet auf – Was Russland kann
Erklärtes Ziel Russlands ist es, seine Streitkräfte auf 1,5 Millionen aktive Soldaten zu vergrößern. Zugleich lernt das russische Militär schnell und rüstet im großen Maßstab auf, wie das deutsche Militär beobachtet.
Westliche Militärexperten erwarten, dass Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs innerhalb von zwei Jahren über mehr als 20 kampferfahrene Heeresdivisionen in seinen westlichen Militärbezirken verfügen könnte. Eine Division kann in den russischen Streitkräften 10.000 bis 20.000 Soldaten zählen.
Zum Vergleich: Das deutsche Feldheer – also die Kampftruppe zu Lande – besteht derzeit aus drei Divisionen, darunter die 1. und 10. Panzerdivision sowie die Division Schnelle Kräfte (DSK) als leichte und hochbewegliche Infanterie. Eine deutsche Division umfasst inklusive Unterstützungskräften etwa 20.000 Soldaten. Die deutschen Divisionen würden im Fall der Fälle zusammen mit den anderen Nato-Verbündeten kämpfen.
Zentrale Bedeutung des Schutzschirms im neuen Kampf
Um unter den veränderten Bedingungen auf dem Gefechtsfeld noch beweglich und handlungsfähig zu sein, ist ein sogenannter Schutzschirm nötig. Er besteht aus Tarnung, Sensoren und Warnmitteln gegen Angriffe des Gegners sowie den eigenen Waffensystemen. Der Schutzschirm reicht vom Einzelschützen bis hin zum Luftverteidigungssystem.
Die Annahme: Bundeswehr und ein möglicher Gegner werden entlang von Kampfgebieten um den Aufbau und dauerhaften Erhalt ihrer eigenen Schutzschirme ringen müssen, wobei sich diese teils überlagern.