Merz' Personalrochade läuft aus dem Ruder
Autor: Michael Fischer, Marco Hadem, Andreas Hoenig und Ulrich Steinkohl, dpa
, Freitag, 24. Juli 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für die große Lösung bei seinem Personalumbau entschieden. Kurz vor der Verkündung läuft das Ganze aber aus dem Ruder. Jetzt herrschen Chaos und Ungewissheit.
Bundeskanzler Friedrich Merz nutzt den Rücktritt von CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn für einen größeren Umbau seiner Regierung und der CDU-Parteiführung. Der wird aber überschattet von einer dramatischen Hängepartie um den Posten des Verkehrsministers.
Als Merz am frühen Morgen im Garten des Kanzleramts Gesundheitsministerin Nina Warken als neue Kanzleramtschefin und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als ihren Nachfolger präsentiert, ist in seinen Gesichtszügen schon zu erkennen, dass etwas nicht stimmt. Auch Digital-Staatssekretär Philipp Amthor steht neben ihm, der Bund-Länder-Staatsminister im Kanzleramt werden soll.
Erst ja, dann nein: Güntzler gibt Merz einen Korb
Aber eigentlich hätte noch ein weiterer Neuling dabei sein sollen: Fritz Güntzler, Finanzexperte der Union im Bundestag, sollte eigentlich Verkehrsminister Patrick Schnieder nachfolgen, von dem Merz sich trennen will. Der 60-Jährige sagte Merz am Donnerstagabend erst zu, überlegte es sich dann nochmal anders, und sagte dann am nächsten Morgen aus fachlichen Gründen wieder ab. «Ein Torwart sollte nicht Linksaußen spielen», hieß es dazu aus Koalitionskreisen.
Schnieder verkündet geplante Entlassung in SMS
Quasi gleichzeitig verabschiedete sich Schnieder schon von einzelnen Bundestagsabgeordneten in einer SMS, die der dpa vorliegt: «Der Bundeskanzler hat mir gestern am späten Nachmittag mitgeteilt, dass er mich als Verkehrsminister entlassen wird. Heute Morgen um 9.00 Uhr wird er dies u. a. in einer Pressekonferenz öffentlich machen. Ich wollte Euch vorher informieren», schrieb der 58-Jährige. «Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung!»
Der Kanzler ist düpiert
Damit war der Kanzler vollständig düpiert. Als er mit den drei Neuen im Garten der Regierungszentrale zur Ernennungszeremonie aufmarschierte, liefen schon die Meldungen von der geplanten Entlassung Schnieders und der geplatzten Nachfolgeregel. Merz blieb nur zu sagen, dass da noch etwas kommt. «Es wird weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben. Darüber werde ich zu gegebener Zeit Sie informieren.»
Die etwas trostlos wirkende Veranstaltung dauerte gerade einmal 12 Minuten. Fragen ließ der Kanzler nicht zu. «Dankeschön, frohes Schaffen», sagte er nur. Man sieht sich ja bald wieder. Beim nächsten Verkündungstermin.
Bilger als Verkehrsminister im Gespräch
Als ein möglicher Nachfolgekandidat Schnieders wird nun der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, gehandelt. Er saß jahrelang im Verkehrsausschuss und gilt als ausgewiesener Experte. Derzeit ist er der dritte Mann in der Fraktion nach dem Fraktionschef und dem CSU-Landesgruppenchef. Bei einem Wechsel würde Merz auch dem Vorwurf vorbeugen, dass die beiden CDU-Spitzenposten in der Fraktion von Abgeordneten aus Baden-Württemberg besetzt würden.