Mercedes-Benz: Warum der Stern gerade wenig glänzt
Autor: Robin Wille, dpa
, Mittwoch, 11. Februar 2026
Mit großen Shows feiert Mercedes neue Modelle, doch die Geschäfte laufen bescheiden. Der Gewinn ist eingebrochen, der Autobauer verkauft weniger Autos. Was sind die Gründe - und wie geht es weiter?
Mit einer großen Show feierte Mercedes-Benz im eigenen Museum Ende Januar die neue S-Klasse. Popstar Sam Smith sang, Tennislegende Roger Federer winkte und Jensen Huang, Chef des Chipriesen Nvidia, grüßte per Videobotschaft. Applaus, Applaus. Würde man die Zahlen nicht kennen, man könnte denken: «Läuft bei Mercedes.»
Tut es aber nicht. 140 Jahre, nachdem Carl Benz das Patent für ein «Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb» anmeldete, steckt der stolze Stuttgarter Autobauer in der Krise. Abseits der Scheinwerfer lautet die Realität: Gewinneinbruch, Umsatzrückgang und Absatzminus.
Zur Wahrheit gehört, dass die deutsche Autoindustrie insgesamt gerade mächtig zu kämpfen hat. Externe Faktoren spielen eine Rolle. Aber ein Teil der Misere ist hausgemacht.
Eigene Fehler
Fondsmanager Moritz Kronenberger von Union Investment kreidet dem Management vor allem zwei Fehler an. Zum einen, dass sich Mercedes zu früh auf reine E-Autos fokussiert habe. Erst verfolgte Mercedes-Chef Ola Källenius «electric first», dann gar «electric only», womit die Pkw bis zum Ende dieses Jahrzehnts vollelektrisch sein sollten - wo es die Marktbedingungen zulassen. Im Februar 2024 kassierte Källenius die Strategie und hob die «strategische Flexibilität» beim Verbrenner hervor.
Zum anderen kritisiert Kronenberger eine Fehlinterpretation in der Chipkrise zu Zeiten der Corona-Pandemie. Damals waren Chips knapp und Mercedes habe entschieden, diese lieber in teurere Modelle wie die S-Klasse einzubauen statt in Einstiegsmodelle wie die A-Klasse, weil bei diesen die Gewinnspannen höher sind. Autos seien nachgefragt gewesen, und man habe nicht genügend Autos produzieren können.
Mercedes habe daraufhin aber missinterpretiert, dass sich die Nachfrage in der Zukunft hin zu großen und luxusartigen Modellen entwickelt. Mit der Luxusstrategie habe sich Mercedes «ganz klar falsch positioniert», sagt Kronenberger. Aber auch davon scheint Mercedes mittlerweile wieder abgekommen zu sein. Er habe Källenius harsch dafür kritisiert, sagt der Experte. «Nichtsdestotrotz zolle ich ihm Respekt dafür, die Strategie zu ändern.»
Mercedes-Boss Källenius hatte vor einem Jahr die größte Technologie- und Produktoffensive in der Geschichte des Unternehmens angekündigt. Den Anfang machte der neue CLA im Einstiegssegment, der mit dem unternehmensintern entwickelten Betriebssystem (MB.OS) daherkam.