Bahnchefin treibt Umbau voran - Trendwende bleibt noch aus
Autor: Matthias Arnold, dpa
, Freitag, 27. März 2026
Kleinere Chefetagen, mehr Verantwortung in der Fläche: Die Neuaufstellung bei der Bahn ist in vollem Gange. In der Bilanz und bei den Fahrgästen kommt der Umbau bisher aber nur bedingt an.
Unpünktliche Fernzüge und ein erneuter Milliardenverlust - für Bahnchefin Evelyn Palla steht fest: «Zufrieden sind wir noch nicht.» Trotz einer umfassenden Neuaufstellung des bundeseigenen Konzerns zeichnet sich weder im Betrieb noch bei der wirtschaftlichen Lage bisher eine echte Trendwende ab.
Seit Oktober vergangenen Jahres steht Palla an der Spitze der Deutschen Bahn und stimmt die Fahrgäste seither auf einen jahrelangen Marathon ein, wenn es um einen verlässlicheren Verkehr auf der Schiene geht. «Vor uns liegt ein langer Weg», bekräftigte sie in Berlin. «Die Schiene in Deutschland wieder in einen guten Zustand zu bringen, wird mindestens zehn Jahre dauern.»
Umbau geht voran
Immerhin: Die ersten Schritte für den grundlegenden Umbau seien erfolgt, sagte die Managerin. Bis 2027 soll die Umstrukturierung weitgehend abgeschlossen sein. Sie umfasst einen Kahlschlag in der Verwaltung - von etwa 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung will Palla ein knappes Drittel abbauen - und eine deutliche Verkleinerung von Führungsetagen.
Allein auf der Ebene unterhalb des Konzernvorstands wurden rund die Hälfte von zuvor 43 Führungsposten gestrichen. Die Chefetage selbst umfasst inzwischen nur noch sechs statt acht Vorstände. Mit Martin Seiler (Personal) und Michael Peterson (Fernverkehr) sind nur zwei Mitglieder übriggeblieben, die schon unter Pallas Vorgänger Richard Lutz dabei waren. Und auch bei den Tochterunternehmen wurden Vorstandsposten reduziert.
Entscheidungen sollen wieder dort getroffen werden, wo sie anstehen, betonte die Bahnchefin. Das heißt: mehr Verantwortlichkeit in der Fläche.
Pünktlichkeit weiter schlecht
Fahrgäste merken bisher kaum Veränderungen. Im vergangenen Jahr waren lediglich rund 60 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Mit Blick auf die überalterte und überlastete Infrastruktur stellt Palla keine Verbesserung in Aussicht. In diesem Jahr soll die Pünktlichkeitsquote im Vergleich zu 2025 lediglich stabil bleiben. Angesichts der Extremwetterlagen im Januar und Februar und dem damit verbundenen Verspätungsaufkommen steht dieses Ziel schon jetzt auf wackeligen Beinen.
Sofortprogramme eingeleitet
Damit Fahrgäste trotzdem etwas merken, hat die Bahn drei Sofortprogramme angekündigt, von denen zwei bereits angelaufen sind. Sie betreffen die Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, den Komfort in den Fernverkehrszügen und die Information von Fahrgästen bei Verspätungen und Gleiswechseln. Die Maßnahmen sind Gegenstand der «Agenda für zufriedene Kunden» des Bundesverkehrsministeriums.