Mehr als 600 000 Menschen traten 2025 aus beiden Kirchen aus
Autor: dpa
, Montag, 16. März 2026
Die beiden großen Kirchen verlieren weiter in schnellem Tempo Mitglieder. Was sind die Ursachen dafür? Studien geben überraschende Antworten. Die Kirchensteuer ist jedenfalls nicht ausschlaggebend.
Mehr als 600.000 Menschen sind im vergangenen Jahr aus den beiden großen Kirchen ausgetreten. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) registrierte 2025 rund 350.000 Austritte, etwas weniger als 2024, als 351.000 Mitglieder die Kirche verließen.
Der katholischen Kirche kehrten gut 307.000 Menschen den Rücken, ebenfalls etwas weniger als im Jahr davor: Damals traten im Laufe des Jahres mehr als 321.000 Kirchenmitglieder aus.
Wie die Deutsche Bischofskonferenz weiter mitteilte, hat die katholische Kirche in Deutschland nun noch 19,2 Millionen Mitglieder, was 23 Prozent der Gesamtbevölkerung entspreche. Ein Jahr zuvor lag die Mitgliederzahl noch bei 19,7 Millionen.
Den evangelischen Landeskirchen gehörten zum Stichtag 31. Dezember 2025 rund 17,4 Millionen Menschen an. Ende 2024 waren es noch 17,9 Millionen gewesen.
Außer durch Austritte verlieren die Kirchen jedes Jahr auch Hunderttausende Mitglieder durch Sterbefälle. Geburten und Eintritte können dies bei weitem nicht aufwiegen.
Der Chef-Bischof sieht auch Lichtblicke
Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, bedauerte die hohe Zahl von Austritten. Man solle dennoch «den Kopf nicht in den Sand stecken», appellierte er. Ein schönes Zeichen sei, dass der Gottesdienstbesuch erneut ganz leicht steigend Zuspruch finde. «Und ich empfinde es als positives Zeichen, dass die Zahl von Erstkommunion und Firmung stabil geblieben sind», sagte Wilmer, der im vergangenen Monat an die Spitze der Bischofskonferenz gewählt worden war.
Der Experte sagt: «Augenwischerei»
Der Kirchenrechtler Thomas Schüller bezeichnete dies als «Augenwischerei». «Die Zahlen sind weiter dramatisch», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die katholische Kirche verliere jedes Jahr das Äquivalent zur Einwohnerzahl von Bielefeld an Mitgliedern. «300 000 ist eine riesige Zahl - das kann keinen kaltlassen. Der Vertrauensverlust schreitet voran.»