Warum ist Portugal so wichtig für die Lufthansa?
Auf der iberischen Halbinsel ist der Konzern neben der dominierenden spanischen IAG-Tochter Iberia bislang nur schwach vertreten. Zwar erscheint der portugiesische Heimatmarkt der Tap vergleichsweise klein, die wahre Bedeutung der Airline liegt im engen Netz in das größte Land Südamerikas, das portugiesischsprachige Brasilien.
«Aus strategischer Sicht ist die Tap für Lufthansa ein sehr attraktiver Kandidat», sagt der Luftverkehrsexperte Jürgen Krumtünger von der Beratungsgesellschaft Prologis. Die Portugiesen böten mit Lissabon ein etabliertes Drehkreuz, zahlreiche Start- und Landerechte sowie eine starke Marktposition in Brasilien und ganz Südamerika. Zudem gehe es für Lufthansa darum, sich über den Zukauf Wachstum zu sichern und im Vergleich zu IAG und Air France-KLM in Europa nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Expansionspolitik unter anderem auf der letzten Hauptversammlung des Unternehmens verteidigt. Die Strategie sei kein Selbstzweck. Als nationale Airline mit nur einem Heimatmarkt wäre Lufthansa global nicht wettbewerbsfähig, so die Argumentation. Aktuell würden nur noch rund 20 Prozent des Gruppenumsatzes in Deutschland generiert.
Was verspricht sich die Regierung in Lissabon von dem Deal?
Letztendlich geht es um eine Stabilisierung des heimischen Luftverkehrsmarkts. Die Regierung will den Flughafen Lissabon mit seinen Fernflügen, weitere Flughäfen sowie die Arbeitsplätze bei der Tap erhalten. Positiv ist auch der Bau eines Wartungswerks mit 700 Arbeitsplätzen durch die Lufthansa Technik südlich von Porto, der aber unabhängig vom Tap-Einstieg ist.
Für die Airline scheint Lufthansa ein geeigneter Partner zu sein, zumal man bereits im Airline-Bündnis Star Alliance eng zusammenarbeitet. Die Deutschen haben in Europa etliche Fluggesellschaften vollständig übernommen, ohne die Marken einzustellen oder deren Drehkreuze aufzugeben. Zum Konzern gehören die ehemaligen Staatsairlines der Schweiz, Belgiens und Österreichs. Bei der italienischen Ita hält der deutsche Konzern derzeit noch eine Minderheit, hat aber bereits die Aufstock-Option auf 90 Prozent gezogen. Mit einem Vollzug wird zum Anfang des kommenden Jahres gerechnet.
Was haben die Passagiere davon?
Die für Kunden relevanten Details sind zunächst schwer absehbar. Wenn Tap enger in den Lufthansa-Konzern eingebunden wird, werden üblicherweise die jeweiligen Streckennetze auf Überschneidungen überprüft und aus Sicht des Unternehmens optimiert. Für Kunden kann das ein geringeres Angebot und höhere Preise auf Strecken ohne externe Konkurrenz bedeuten. Deswegen unterliegen derartige Übernahmen der EU-Wettbewerbskontrolle. Beim Ita-Einstieg musste die Lufthansa auf Druck aus Brüssel Start- und Landerechte in Rom und Mailand an die Konkurrenz abgeben. Auf der anderen Seite kann Tap im Großkonzern Kostenvorteile nutzen und zusätzliche Flüge anbieten.
Ist eine vollständige Übernahme auch bei der Tap geplant?
Das ist keineswegs beschlossene Sache. Die Lufthansa hat wie Air France-KLM parallel ein Angebot für die vollständige Übernahme der Tap vorgelegt. Laut Regierung wäre dafür eine zweite Phase mit einem eigenständigen Verfahren notwendig. Lufthansa bewertet die vollständige portugiesische Airline mit 2,552 Milliarden Euro, einschließlich des Aufschlags einer Kontrollprämie von rund 150 Millionen Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er bei Übernahmen die vollständige Kontrolle bevorzugt.
Für den Verkauf sämtlicher Anteile würde die Regierung jedoch die Unterstützung der Opposition, vor allem der Sozialisten (PS) oder der rechtspopulistischen Chega im Parlament, benötigen, die ihr allerdings derzeit fehlt. Im Gegenzug für die vollständige Übernahme soll Portugal nach dem Angebot fünf Prozent am Lufthansa-Konzern erhalten. In ihrer Mitteilung begrüßte die Lufthansa die Bereitschaft Lissabons, einen Prozess zur vollständigen Privatisierung von Tap einzuleiten. Mehrheitsbeteiligungen hätten bei früheren Übernahmen zusätzliche Vorteile für alle Seiten gezeigt, hieß es.