Streik der Crews zwingt Lufthansa an den Boden
Autor: Christian Ebner und Isabell Scheuplein, dpa
, Donnerstag, 12. Februar 2026
Streik-Chaos bei Lufthansa: 100.000 Passagiere stranden, Flüge gestrichen – warum die Konflikte hinter den Kulissen so schnell nicht enden werden.
Zeitgleiche Streiks von Piloten und Flugbegleitern haben die Lufthansa zu großen Teilen auf den Boden gezwungen. Deutschlands größte Fluggesellschaft musste am Donnerstag nach eigenen Angaben knapp 800 Flüge mit zusammen rund 100.000 Fluggästen streichen.
Der Ausstand sollte noch den gesamten Tag bis Mitternacht andauern. Besonders stark waren die Auswirkungen an den Drehkreuzen München und Frankfurt spürbar. Eine Lösung der Konflikte, die hinter den Streiks stehen, zeichnet sich nicht ab.
Zusatzflüge von Eurowings
«Der ganztägige Streik der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit (VC) am heutigen Donnerstag, 12. Februar, trifft unsere Fluggäste extrem hart und unverhältnismäßig», teilte das Unternehmen am Mittag mit. Es wies darauf hin, dass bei den nicht bestreikten Töchtern Eurowings, Discover und City Airlines rund 400 Flüge stattgefunden haben. Eurowings hatte zudem Zusatzflüge von Düsseldorf und Hamburg nach München angeboten.
Die aufrufenden Gewerkschaften hatten schon am Vormittag von einem erfolgreichen Anlauf ihrer Aktionen berichtet. «Der Streik läuft, wie wir es erwartet haben», sagte Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger am Frankfurter Flughafen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ging von einer hohen Arbeitskampfbereitschaft ihrer Mitglieder aus. «Wir sehen in Frankfurt eine sehr gute Beteiligung», sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro am Flughafen.
VC: Aktionen nicht abgestimmt
Die VC will für rund 4.800 Pilotinnen und Piloten höhere Betriebsrenten erreichen, während die Kabinengewerkschaft Ufo mit einem Warnstreik neue Verhandlungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der von der Schließung bedrohten Regionaltochter Cityline erzwingen will. Dort stehen 800 Jobs auf dem Spiel. Pinheiro bestritt, dass die zeitgleichen Aktionen unter den Gewerkschaften abgestimmt seien.
Nach Angaben des Flughafenbetreibers wurden allein in Frankfurt 450 von 1.117 geplanten Flügen abgesagt. Die Zahlen beziehen sich auf sämtliche Airlines, die große Masse der Ausfälle ist aber der Lufthansa zuzurechnen. In München wurden von 920 geplanten Flügen 275 gestrichen. Auch an anderen Flughäfen kam es zu Ausfällen.
Am Frankfurter Flughafen war insbesondere im Terminalbereich A deutlich weniger los als sonst. Dieser Abschnitt wird ausschließlich von Lufthansa genutzt. An den Umbuchungsschaltern bildeten sich längere Schlangen, während an den Anzeigetafeln nur vereinzelte Flüge aufgerufen wurden. Weil alle übrigen Airlines aber nicht bestreikt wurden, herrschte in den anderen Abschnitten reger Publikumsverkehr.