Linke braucht neue Spitze: Fraktionsvize Pantisano tritt an
Autor: Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Freitag, 17. April 2026
Linken-Chef van Aken zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Doppelspitze mit Ines Schwerdtner zurück. Jetzt meldet ein möglicher Nachfolger seine Bewerbung an. Andere verzichten.
Nach dem angekündigten Rückzug von Parteichef Jan van Aken stellt sich die Linken-Spitze neu auf. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano bewirbt sich um die Nachfolge - und hat offenbar die Unterstützung der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner, die erneut kandidieren will. Gewählt wird bei einem Parteitag in Potsdam vom 19. bis 21. Juni.
Der 64-jährige van Aken hatte angekündigt, dass er sich dort aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut bewirbt. Im Rennen für die Parteispitze sind nun zwei vergleichsweise junge und unerfahrene Bundestagsabgeordnete - der heute 46-jährige Pantisano und die 36-jährige Schwerdtner zogen beide nach dem fulminanten Comeback der Linken 2025 ins Parlament ein. Beide zählen zur sogenannten Bewegungslinken, die über soziale Bewegungen auch außerhalb des Parlaments mobilisieren und gerne mal von «Klassenpolitik» sprechen.
Andere Kandidaturen sind in den nächsten Wochen möglich. Die neben van Aken bekannteste Linke sagte aber bereits ab: Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek sagte im ZDF-«Morgenmagazin», sie sei ausgelastet: «Wenn man Fraktions- und Parteivorsitz wirklich vernünftig ausführen will, dann kann man nicht beides machen, davon bin ich überzeugt. Also ich bleibe Fraktionsvorsitzende.»
Auch Co-Fraktionschef Sören Pellmann sagte auf dpa-Anfrage: «Ich beabsichtige derzeit nicht, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Ich erfülle meine Aufgabe als Co-Vorsitzender gemeinsam mit Heidi Reichinnek weiterhin.»
Wer ist Luigi Pantisano?
Pantisano ist stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz. Er ist Architekt und Stadtplaner und begann in der Kommunalpolitik in Stuttgart.
Seine Eltern seien 1966 aus Italien nach Deutschland gekommen, um ihren vier Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen, schreibt er über sich. Er selbst wurde in Waiblingen geboren, lebte aber nach eigenen Worten als Kleinkind zunächst in Kalabrien, später dann mit seinen Brüdern bei seinen Eltern in Deutschland.
Seine Eltern hätten in Fabriken gearbeitet und «die Bücher hergestellt, die sie selbst nie lesen durften», schreibt Pantisano. So hätten sie ihm ein Studium ermöglicht. «Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben.»