Langsamstes Konzert der Welt: Jetzt Karten für Jahr 2640 erhältlich
Autor: Agentur dpa
Halberstadt, Montag, 03. August 2026
Kein heute lebender Mensch wird das Ende dieses Konzerts erleben, das seit 25 Jahren in Deutschland gegeben wird. Karten dafür sind jetzt erhältlich - nicht an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Niemand erlebt das Ende dieses Konzerts: Es soll als langsamste Aufführung der Welt 639 Jahre dauern. Ein Vierteljahrhundert ist vorbei. Was ist da eigentlich los in Halberstadt?
Jahrhunderte haben hier Zisterzienserinnen gelebt. Für kurze Zeit in der DDR war sie Schweinestall, die Gülle-Rinnen zeugen davon. Wer heute in die Burchardi-Kirche in Halberstadt kommt, betritt einen Aufführungsort. Im Raum schwebt ein sanftes Wummern, einige ziehen Vergleiche zu einem Maschinenraum oder zum Hamburger Hafen. Manchmal sind Zuhörer da, niemals ein Organist. Das Orgelstück läuft seit fast 25 Jahren und steht doch ziemlich am Anfang.
Am 5. August findet der 17. Klangwechsel statt
Hier wird die Spielanweisung des amerikanischen Komponisten John Cage (1912-1992) für sein Orgel-Stück "ORGAN2/ASLSP" umgesetzt: so langsam wie möglich. Nach einem Vierteljahrhundert sind nun knapp vier Prozent der Aufführungsdauer von zusammen 639 Jahren erreicht.
Jetzt (5. August) steht in der Burchardi-Kirche der 17. Klangwechsel an. Ein a' wird hinzugefügt, also die entsprechende Pfeife in die kleine Orgel gesteckt. Sie sorgt dann für einen Acht-Klang. "Es wird einen schönen Klangteppich geben", sagt Anneli Borgmann, die vor knapp einem Jahr die Leitung des Projekts übernommen hat und Kuratoriumsvorsitzende der John-Cage-Orgel-Stiftung Halberstadt ist. Der Klang werde voller, acht Orgelpfeifen sind dann im Einsatz.
Video:
"Wir sind in bewegten Zeiten", sagt die 53-Jährige. Der nächste Klangwechsel steht im Oktober 2027 an, 2028 gibt es sogar zwei, ebenso im Jahr 2030.
Konzert beginnt mit eineinhalb Jahren Pause
Für sie strahlt das Projekt vor allem Zuversicht aus, weil es über so viele Generationen weitergetragen werden soll. Mit langen Zeiträumen kenne sie sich aus. Sie sei schließlich Geoökologin, und begleite junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Im Cage-Projekt ist sie ehrenamtlich dabei - wie alle anderen Enthusiasten um sie herum.
Ihr Vorgänger Rainer O. Neugebauer war über gut zwei Jahrzehnte der künstlerische Leiter des Projekts und beteiligt an den Umrechnungen von Cages Partitur. Die Uraufführung dauerte 1987 in Metz nicht einmal eine halbe Stunde. Für die Aufführung in Halberstadt sollten daraus 639 Jahre Aufführungsdauer werden, denn vom Jahr 2000 aus gerechnet war die berühmte Blockwerkorgel von Nicolaus Faber im Halberstädter Dom genau so viele Jahre fertiggestellt. 0,2 Sekunden der Uraufführung entsprechen nun einem Monat.