Kurz vor Fristende: Trump findet neues Schlupfloch für Zölle
Autor: Khang Mischke, Franziska Spiecker und Anna Ringle, dpa
, Freitag, 24. Juli 2026
Nach seiner Niederlage vor dem obersten US-Gericht ließ Trump nicht locker. Er erhob für 150 Tage neue globale Abgaben. Diese laufen nun aus - doch Trump hat schon neue Zölle parat.
Was wäre die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ohne seine geliebten Zölle? Für ihn sind die Importgebühren gegen unliebsame Verbündete und andere Handelspartner ein bewährtes Mittel, um US-Interessen durchzusetzen. Zwar kassierte der Oberste Gerichtshof der USA bereits viele seiner Zölle. Das brachte den Republikaner aber nicht davon ab, neue Auflagen zu ersinnen. Unmittelbar vor dem Auslaufen seiner jüngsten globalen Zölle findet die US-Regierung ein neues Schlupfloch. Ein Überblick:
Welche neuen Zölle hat die US-Regierung nun verkündet?
Die US-Regierung ist nach einer wochenlangen Untersuchung zum Schluss gekommen, dass rund 60 Handelspartner angeblich unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgehen. Pünktlich zum Ende des gesetzlichen Zeitrahmens von Trumps bisherigen globalen Zölle verkündet sein Handelsbeauftragter Jamieson Greer aus diesem Grund neue Importgebühren auf Einfuhren besagter Handelspartner: einen Zollsatz von 10 beziehungsweise 12,5 Prozent. Dieser liegt auffällig nah an der bisherigen Abgabe – die vorigen globalen Zölle lagen bei 10 Prozent. Nach US-Angaben betreffen die neuen Zölle 99,4 Prozent aller Importe.
Die Europäische Union wird nun unter anderem neben Taiwan, Japan und der Schweiz als Handelspartner genannt, bei dem für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Sätze aufgeführt werden. Den Zollsatz machen die USA den Angaben zufolge auch davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen. Die EU handelt nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug.
Wann geht es los und welche Produkte sind betroffen?
Die Zölle gelten ab Freitagmorgen 06.01 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit). Ausgenommen sind laut den USA unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Auch Öl und Gas seien nicht betroffen, sagte ein hochrangiger US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.
Die neuen Zölle kommen aus Perspektive des US-Präsidenten gerade rechtzeitig, um den Wegfall globaler Zölle auszugleichen, für die er nun keine rechtliche Grundlage mehr gehabt hätte. Diese konnte die US-Regierung maximal 150 Tage lang erheben – damit wäre am Freitag Schluss gewesen.
Die USA hatten seit dem 24. Februar auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen Zoll von zehn Prozent verlangt. Trump hatte diese in Windeseile verkündet, nachdem der Supreme Court weite Teile seiner vorherigen Zölle kassiert hatte.
Was ist die gesetzliche Grundlage?
Die neuen Zölle basieren auf dem gleichen Handelsgesetz aus dem Jahr 1974, das die Regierung bereits bei ihren temporären globalen Zöllen herangezogen hatte. Statt auf Paragraf 122 stützt sich Trump nun auf Paragraf 301, der der Regierung die Möglichkeit einräumt, bei nachweislich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden» Handelspraktiken aktiv zu werden. Anders als manche vorherige Ansätze Trumps, Zölle zu verhängen, ist dieser rechtliche Hebel in den USA kein Novum.