Küsschen für Aigner – aber keine Antwort auf die P-Frage
Autor: Christoph Trost, Michael Fischer, Marco Hadem und Julian Degler, dpa
, Sonntag, 25. Oktober 2026
Küsschen rechts, Küsschen links: So begrüßt der Kanzler Ilse Aigner – und lässt den CSU-Parteitag jubeln. Die Antwort auf die entscheidende Frage bleibt er aber schuldig. Wie geht es nun weiter?
Es dauert genau drei Sekunden, bis der Kanzler die Frau erwähnt, die im Mittelpunkt dieses CSU-Parteitags steht. Mit «liebe Ilse Aigner» begrüßt Friedrich Merz die bayerische Landtagspräsidentin gleich nach Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. Die drei Worte des CDU-Vorsitzenden reichen aus, um die Münchner Messehalle zum Kochen zu bringen. Die Delegierten brechen in Jubel aus, erheben sich von ihren Plätzen. Auch Aigner springt spontan auf, winkt mit beiden Händen in die Menge. Und strahlt.
Es ist am Samstagmittag der zentrale Moment dieses Parteitags, bei dem es für die 700 Delegierten vor allem um eine Frage geht: Macht Merz die Wunschkandidatin der CSU zur ersten Bundespräsidentin Deutschlands? Söder hat die 61-Jährige vorgeschlagen. Die CSU demonstriert auf dem Parteitag, dass sie fast geschlossen hinter ihr steht.
Schwarz-rot-goldene Ilse-Aigner-Show
Und Aigner selbst zeigt, dass sie es will: Auf dem Parteitag tritt sie in schwarz-rot gekleidet mit goldener Kette auf – den Deutschlandfarben. Den Applaus nimmt sie dankend auf, feuert ihn sogar an. Einen eigenen Bühnenauftritt braucht sie gar nicht. Der zweitägige Parteitag wird auch so zur Ilse-Aigner-Show.
Auch von SPD und Grünen bekommt Aigner inzwischen Zustimmung. Aber es fehlen noch Merz und die arg gebeutelte CDU, die nach demütigenden Wahlniederlagen im September den Anspruch auf das höchste Staatsamt nicht so einfach aufgeben wollen.
Zwei Bussis zu «Eye of the Tiger»
Beim Parteitag richten sich daher alle Kameras und Augen darauf, wie der Kanzler mit Aigner umgeht. Als er zum Box-Klassiker «Eye of the Tiger» in der Blaskapellenversion zusammen mit Söder in den Saal einzieht, kommt er nicht an Aigner vorbei. Mit Wangenküsschen rechts und links begrüßt er sie.
Dann die Erwähnung gleich zu Beginn der Rede, mit der er den Saal auf seine Seite bringt. Aber danach kommt von Merz zur P-Frage: genau gar nichts. 52 lange Minuten einfach nichts.
Mehr sei für Merz nicht drin gewesen, sagt ein CSU-Vorstand anschließend – wegen seiner parteiinternen Zwänge. Deshalb sei der Trick mit Aigners Begrüßung geschickt gewesen. Die Delegierten nehmen es Merz jedenfalls nicht übel. Am Ende ist der Applaus für ihn fast genauso lang wie der für Söder am Vortag.