Krieg im Nahen Osten – und der Urlaub geht weiter
Autor: Kilian Genius, Johannes Sadek und Sara Lemel, dpa
, Mittwoch, 11. März 2026
Der Krieg in Nahost verunsichert viele Urlauber. Doch wie reagieren die Deutschen? Eine Umfrage, Branchenstimmen und Einblicke aus der Region zeigen, welche Folgen der Konflikt für den Tourismus hat.
Krieg, Reisewarnungen, gesperrte Lufträume: Der Konflikt im Nahen Osten bringt auch den Urlaub vieler Menschen ins Wanken. Dennoch lässt die Mehrheit der Deutschen ihre Pläne bislang unverändert. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 54 Prozent der rund 1.750 im März befragten Erwachsenen, internationale Krisen oder Konflikte hätten derzeit keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung.
Ganz ohne Folgen bleiben geopolitische Spannungen jedoch nicht. Zehn Prozent wollen ihre Urlaubspläne wegen internationaler Konflikte ändern. Bei sieben Prozent ist eine gebuchte Reise unsicher geworden, bei vier Prozent wurde sie abgesagt oder verschoben.
Politische Stabilität als Reisefaktor
Sicherheit spielt für viele Urlauber eine wichtige Rolle bei der Wahl des Reiseziels. 58 Prozent sagen, sie berücksichtigten die politische Stabilität eines Landes stark, weitere 27 Prozent zumindest teilweise. Nur jeder Zehnte gibt an, dass politische Stabilität für ihn keine Rolle spielt.
Der Konflikt im Nahen Osten war Ende Februar eskaliert. Israel und die USA griffen den Iran aus der Luft an, Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie Ziele in der Golfregion. In der Folge saßen dort Tausende Reisende fest – etwa an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen.
Krieg trifft Urlaubsländer
Die Beratungsfirma Oxford Economics rechnet damit, dass die Zahl der Reisenden in den Nahen Osten in diesem Jahr deutlich zurückgehen könnte. Sollte der Krieg noch etwa zwei Wochen dauern, könnten die Besucherzahlen um rund elf Prozent sinken. Zieht sich der Konflikt ein bis zwei Monate hin, wäre sogar ein Rückgang um 27 Prozent möglich – verbunden mit wirtschaftlichen Einbußen von rund 56 Milliarden Dollar.
Besonders die Golfstaaten fürchten um ihr Image als sichere Reiseziele. «Das Siegel ist gebrochen», sagte der katarische Analyst Ahmed Hilal dem Sender Al Jazeera. Metropolen wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha galten lange als sichere Inseln. Nach Angriffen auf Flughäfen, Hotels und dicht bewohnte Gebiete könnte es dauern, bis sie diesen Status zurückerlangen.
Tourismus leidet auch in Israel
In Israel und den Palästinensergebieten leidet der Tourismus schon seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg unter schweren Einbußen. Der neue Krieg mit dem Iran versetzt der Branche nun einen weiteren Schlag.