Sommerurlaub ja – aber anders als geplant. Reisende reagieren auf höhere Preise und die unsichere Lage im Nahen Osten. Ein Land könnte davon besonders profitieren.
Für die Reisebranche entwickelt sich der Krieg im Nahen Osten zunehmend zum Belastungsfaktor im Sommergeschäft. «Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen führen zu einer spürbaren Buchungszurückhaltung, ohne die Nachfrage grundsätzlich zu schwächen», sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, der Deutschen Presse-Agentur. «Gleichzeitig sorgen steigende Kosten und operative Herausforderungen für zusätzlichen Druck in der Branche.»
Viele Reisende wichen auf alternative Ziele aus. Insgesamt spreche vieles für ein temporäres Innehalten – «mit einer Stabilisierung und dem Anziehen der Nachfrage, sobald sich die Lage beruhigt», sagte Loidl.
Stimmung in der Branche eingetrübt
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Erwartungen der Branche. Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich das Geschäftsklima bei Reisebüros und Veranstaltern im März deutlich eingetrübt. Der Branchenindikator fiel auf minus 41,7 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im Februar. Die Unternehmen bewerten ihre Lage und die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich schlechter.
«Die geopolitische Situation führt zu hoher Verunsicherung bei Reisenden und Reiseunternehmen, besonders für Reisen über die Golfstaaten im Nahen Osten», sagte Ifo-Experte Patrick Höppner. Viele Anbieter mussten demnach bereits Umbuchungen und Stornierungen vornehmen.
Ziele im östlichen Mittelmeer, die näher an der Krisenregion liegen, verzeichneten derzeit mehr Zurückhaltung bei Neubuchungen, teilte der Reiseverband weiter mit. Davon profitieren tendenziell Destinationen im westlichen Mittelmeer – auch wenn höhere Preise und begrenzte Kapazitäten die Verlagerung bremsen.
Verschiebungen bei Reisezielen
Besonders gefragt seien vor allem westeuropäische Ziele wie die Kanaren und Balearen sowie die Kapverden, teilte Tui auf Anfrage mit. Auch ausgewählte Fernreiseziele in der Karibik stießen auf Interesse. Dagegen entwickelten sich Destinationen am Golf sowie Teile Asiens derzeit schwächer – unter anderem wegen eingeschränkter Umsteigeverbindungen. Auch bei Reisen in die Türkei beobachtet der Konzern aus Hannover eine «starke Zurückhaltung».
Die Preise bewegten sich insgesamt auf einem moderat erhöhten Niveau. Für bereits gebuchte Reisen blieben sie stabil. Gestiegene Kerosinpreise beschäftigten die Branche zwar, Tui habe für den Sommer aber bereits rund 85 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert. Wie sich die Preise bis zu den Sommerferien weiterentwickeln, sei jedoch offen: «Vieles hängt von der Lösung des Konflikts in den nächsten Tagen ab.»