Ein Junge wird im Landkreis Rostock auf einem selbstgebastelten Schlitten hinter einem Auto hergezogen - dann kommt es zu einem tödlichen Unfall. Nun laufen die Ermittlungen.
Update vom 16. Februar 2026: Nach tödlichem Schlitten-Unfall: Polizei befragt Zeugen
Nach dem Schlittenunfall in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem am Wochenende ein elfjähriger Junge ums Leben kam, befragt die Polizei nun Zeugen. Im Verlauf der Woche seien umfassende Vernehmungen geplant, sagte eine Sprecherin der Polizei auf Nachfrage.
An der Unfallstelle stellten Menschen Grablichter und Kuscheltiere auf und legten Blumen nieder. Der Autofahrer, an dessen Transporter der Schlitten des Jungen befestigt war, sei inzwischen überprüft worden. Er sei zum Zeitpunkt des Unfalls fahrtüchtig gewesen. "Er stand nicht unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln oder Medikamenten und es wurde auch keine körperliche Beeinträchtigung festgestellt", sagte die Sprecherin.
Schlitten prallte gegen einen Stapel Baumstämme
Bei dem Unfall am Sonntagvormittag in der Nähe der Gemeinde Kuchelmiß im Landkreis Rostock war nach Polizeiangaben ein selbstgebastelter Schlitten aus Plastik mit einem Seil hinter das Fahrzeug gespannt und von diesem gezogen worden. Der Sprecherin zufolge handelte es sich um eine Art Kunststoffwanne aus dem Stück eines alten Wassertanks, in welcher der Junge zusammen mit einem 13-jährigen Jungen und einem elfjährigen Mädchen gesessen habe.
Beim Fahren soll der 37 Jahre alte Autofahrer die Kontrolle verloren haben, woraufhin der Schlitten gegen einen Stapel Baumstämme prallte. Der elfjährige Junge erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen. Die beiden anderen Kinder wurden leicht verletzt. Ihr 38 Jahre alter Vater habe als Beifahrer im Transporter gesessen. Zudem befanden sich laut der Sprecherin noch fünf weitere Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren in dem Fahrzeug, drei von ihnen seien die Kinder des Fahrers.
Alle Insassen blieben bei dem Unfall körperlich unverletzt, der Fahrer habe einen Schock erlitten. Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt, hieß es. Der Mann sei mit keinem der Kinder verwandt. Noch laufen die Ermittlungen und der Austausch mit den Unfallgutachtern, sagte die Sprecherin. Nähere Angaben zum Unfallhergang seien noch nicht möglich. Der selbstgebaute Schlitten sei sichergestellt worden und lagere bei der Kriminalpolizei in Teterow.
Deutscher Alpenverein (DAV) warnt vor selbstgebauten Schlitten
Der Deutsche Alpenverein (DAV) rät dazu, nur sichere und funktionstüchtige Schlitten zu verwenden, die auch für diesen Zweck vorgesehen seien. "Von selbstgebauten Varianten ist grundsätzlich abzuraten", sagt Stefan Winter, Ressortleiter für Sportentwicklung beim DAV. Denn sie hielten hohen Geschwindigkeiten oft nicht stand. Am besten seien Schlitten oder Plastikbobs aus dem Sportgeschäft. Wichtig seien feste Schuhe und Handschuhe, auch ein Skihelm sei sinnvoll. "Wer den nicht hat, sollte zumindest einen Fahrradhelm oder Kletterhelm aufsetzen", sagt Winter.
Wer einen Schlitten an ein Fahrzeug binde, riskiere es, die Kontrolle über den Schlitten zu verlieren. Gerade bei höherem Tempo könne er stark ausschlagen oder umkippen. Zudem könnten sich Fahrer und Rodler nicht mehr verständigen. All das könne gefährlich werden, auch wenn man langsam fahre. Da gebe es nichts schönzureden. "Selbst wenn die Versuchung groß ist, sich von einem Pkw auf einem Schlitten ziehen zu lassen."