Kommt Galeria aus der Krise? So bewerten Fachleute die Lage
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Freitag, 26. Juni 2026
Ein neuer Millionenkredit verschafft Galeria Spielraum, doch neue Einschnitte stehen bevor. Handelsexperten und Gewerkschaftsvertreter sind skeptisch, ob die Warenhauskette wieder auf Kurs kommt.
Nach wochenlangen Verhandlungen meldete Galeria am Donnerstag Vollzug: Die angeschlagene Warenhauskette bekommt einen neuen Millionenkredit. Im Gegenzug muss Galeria sich ein weiteres Mal sanieren – diesmal außerhalb einer Insolvenz. Geplant sind im Zuge dessen auch weitere Filialschließungen. Gelingt dem Unternehmen die Kehrtwende? Experten beurteilen die Lage zwiespältig.
Die neue Kreditlinie entschärfe die existenzbedrohende Krise, sagte Carsten Kortum, Handelsprofessor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. «Galeria gewinnt einige Monate Zeit.» Ein großer Teil des Geldes werde jedoch nicht in die Zukunft des Unternehmens fließen, sondern nur bestehende Verpflichtungen bedienen, wie die Ablösung bisheriger Kredite. Damit blieben keine Finanzmittel für echte Investitionen in Filialen oder Digitalisierung übrig.
Kortum kritisierte zudem die Eigentümer. Nötige Mittel seien nicht zur Verfügung gestellt worden. «Die letzten und derzeitigen Eigentümer hatten alle ihre eigene Agenda, aber nie die des Unternehmens im Blick. Damit setzt sich die jahrelange Misere fort.»
Etwa 30 Filialen gelten als Wackelkandidaten
Die neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Laut Galeria verschafft sie dem Unternehmen den Spielraum für die notwendige Transformation. Das Geld ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Einschnitte vorsieht. Ziel ist ein optimiertes und profitables Warenhausnetz, teilte der Konzern mit.
Dazu will Galeria mit Vermietern über die Mietkonditionen verhandeln. Wie viele Filialen weiterbetrieben werden, ist noch offen. Nach Informationen der dpa gelten etwa 30 der 83 Warenhäuser als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich geprüft werden. Um welche Filialen es sich handelt, ist bislang nicht bekannt.
Entscheidend sei die Konzentration auf tragfähige Standorte, sagte Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE. Bereits 2024, im Zuge der letzten Insolvenz, hätten die Schließungen weitreichender ausfallen müssen. Damals schloss Galeria neun Filialen.
Galeria kündigte auch eine strategische Neuausrichtung an. Ein Kriterium für eine erfolgreiche Zukunft sei die Schärfung des Sortiments auf Kernkategorien, die die Kundenfrequenz erhöhten. «Wenn das gelingt, hat das Warenhaus als Format durchaus eine Zukunft», so Berentzen.