Koalitionsstreit um Entlastungen: Reiche attackiert SPD
Autor: Theresa Münch und Andreas Hoenig, dpa
, Freitag, 10. April 2026
Soll man die Verbraucher angesichts der hohen Spritpreise entlasten? Darüber gibt es in der Koalition unterschiedliche Meinungen. Der Ton wird schärfer, am Wochenende sitzt man zusammen.
Innerhalb der schwarz-roten Koalition verschärft sich der Streit über Entlastungen der Verbraucher angesichts der hohen Spritpreise. Während Vizekanzler Lars Klingbeil Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern trifft, attackiert ihn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) scharf. Der Kanzler verlangt Zurückhaltung.
«Der Koalitionspartner ist in den letzten Wochen damit aufgefallen, Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig sind», sagte Reiche bei «Welt TV». «Das führt zu Verwirrung und hilft den Verbrauchern nicht.»
Nach Reiches Angaben beraten die Spitzen von Union und SPD am Sonntag in einem Koalitionsausschuss über mögliche Maßnahmen. Bisher hatte es nur geheißen, die Regierung sei in ständigem Austausch - den Sonntagstermin hatte aber niemand offiziell bestätigen wollen.
Was Klingbeil will
Finanzminister und SPD-Chef Klingbeil hat die Debatte um Entlastungen als Erster maßgeblich vorangetrieben, um die steigende Inflation frühzeitig zu dämpfen. Er hat eine Mobilitätsprämie oder eine zeitlich befristete Senkung der Energiesteuer vorgeschlagen. Finanzieren will Klingbeil das durch eine Übergewinnsteuer, die außergewöhnlich hohe Krisenprofite der Energiekonzerne abschöpfen soll. Eine solche Steuer müsste auf europäischer Ebene eingeführt werden. Außerdem plädiert Klingbeil für einen flexiblen Preisdeckel für Benzin, Diesel und Öl.
Im Finanzministerium traf Klingbeil am Freitag Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften sowie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Es habe einen «konzentrierten, konstruktiven und ergebnisorientierten Austausch über Maßnahmen in der aktuellen Krise und zur generellen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland» gegeben, sagte ein Sprecher. Über die Inhalte des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden - Klingbeil werde sie aber als «wertvollen Input» in die weiteren Gespräche in der Bundesregierung mitnehmen.
Von den Spitzenverbänden hieß es, sie hätten «mit Nachdruck mutige Standortreformen eingefordert».
Was Reiche will
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war auch Reiche zu dem Spitzentreffen eingeladen, sagte aber aus Termingründen ab. Stattdessen gab sie im Wirtschaftsministerium eine Erklärung ab. Sie plädiere für Maßnahmen, die ökonomisch sinnvoll, zielgerichtet und haushaltsschonend seien, sagte Reiche dort. Profitieren müssten Pendler und Logistikgewerbe.