Koalitionspolitiker schlagen höhere Tabaksteuer vor
Autor: dpa
, Freitag, 30. Januar 2026
Zwei Euro mehr pro Zigarettenpackung, um die Finanzen der Krankenkassen zu entlasten? Die Debatte um eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer ist neu entbrannt.
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck und weitere Politiker der schwarz-roten Koalition fordern eine Erhöhung der Tabaksteuer. Dabei wird zum Teil auch das Ziel genannt, mit den höheren Einnahmen die gesetzlichen Krankenkassen zu entlasten, denen im kommenden Jahr neue Milliardenlücken drohen. Unterstützung kommt von Ärzteverbänden, die Tabakwirtschaft dagegen warnt vor einer Zunahme des illegalen Handels.
«Tabakkonsum kostet Deutschland jedes Jahr rund 131.000 Menschenleben und verursacht über 30 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten sowie fast 70 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Folgekosten», sagte der CDU-Politiker Streeck der «Bild». «Deshalb müssen wir bei Tabak als Verursacher der Kosten auch über höhere Tabaksteuern sprechen.»
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schrieb auf der Plattform X: «Die Erhöhung der Tabaksteuer ist dringend geboten.» Statt Beitragssätze der Krankenkassen stetig zu erhöhen, könne hier gespart werden. CSU-Chef Markus Söder schloss eine eventuelle Anhebung nicht aus. «Die Tabaksteuer ist das Einzige, wo ich sagen würde, in einem großen Steuersenkungspaket kann man das als Kompensation vielleicht diskutieren», sagte er in Berlin.
Ein Sprecher des Finanzministeriums kommentierte die Forderungen nicht. Er verwies aber darauf, dass der Koalitionsvertrag von Union und SPD bereits vorsieht, den Kurs schrittweiser Erhöhungen der Tabaksteuer fortzusetzen - zum Teil wird nun aber ein deutlicherer Anstieg diskutiert.
CSU-Politiker: Zwei Euro mehr pro Packung
Der CSU-Gesundheitspolitiker Hans Theiss forderte, mit einer höheren Tabaksteuer eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente von 19 auf 7 Prozent zu finanzieren - was die Krankenkassen entlasten würde. «Durch die Mehrwertsteuer-Senkung würden die Kassen bis zu sieben Milliarden Euro jährlich mehr zur Verfügung haben», sagte Theiss der «Bild». «Konkret würde eine Preiserhöhung von zwei Euro pro Packung reichen.»
Anfang der Woche hatte schon die Krankenkasse DAK-Gesundheit vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel zu senken und dies mit höheren Steuern auf Tabak und Alkohol zu finanzieren.
Gesetzliche Krankenkassen unter Druck
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erwartet bei den gesetzlichen Krankenkassen für 2027 eine Lücke im zweistelligen Milliardenbereich, die geschlossen werden soll. Eine Expertenkommission soll bis März Vorschläge zur Stabilisierung vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende Reformvorschläge folgen.