Koalition will mit Reformpaket Wirtschaft aus Krise holen
Autor: dpa
, Freitag, 03. Juli 2026
Mehr Entlastungen für Familien und Reformen bei Steuern und Arbeit: Was die Koalition gegen die Wirtschaftskrise plant, warum Experten skeptisch bleiben - und was noch unklar ist.
Vertreter der schwarz-roten Koalition verteidigen ihre Reformpläne gegen Kritik - und hoffen auf Wirtschaftswachstum. «Ich bin davon überzeugt, dass die Summe dieser Maßnahmen uns letztlich wieder auf einen Wachstumspfad zurückführt», sagte Kanzleramtschef Thorsten Frei im «Frühstart» von RTL und ntv.
Mit einem umfassenden Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung wollen Union und SPD Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen. Ab 2027 sollen kleine und mittlere Einkommen steuerlich entlastet werden.
Ökonomen sind skeptischer
Auch Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hatte in einem ARD-«Brennpunkt» Wirtschaftswachstum als Ziel genannt. Konkret: mehr als ein Prozent im kommenden Jahr. Bisher geht die Regierung von einem Plus um 0,9 Prozent aus. Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil betonte im ZDF: «Wenn wir wollen, dass Deutschland ein starkes Land bleibt, dann müssen wir jetzt Entscheidungen für die Zukunft treffen, dann müssen wir Knoten durchschlagen.»
Ökonomen gossen allerdings Wasser in den Wein. Das Paket werde nicht reichen, um die deutsche Wirtschaft aus ihrer Dauerkrise zu führen. Dafür wären weitergehende Schritte erforderlich, heißt es beim Ifo-Institut in München, dem DIW in Berlin, dem ZEW Mannheim und dem Kiel Institut für Weltwirtschaft.
Lob von Wüst
Lob kam hingegen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der das Paket als Ausweis der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung sieht und seine Unterstützung zusagte. «Ich bin überzeugt, das wird unser Land voranbringen und es zeigt vor allen Dingen, dass die politische Mitte handlungsfähig ist», sagte er in Düsseldorf. Die Ränder würden kleiner gemacht, sagte Wüst mit Blick auf die erstarkende AfD.
Zugleich kritisierte Wüst, dass die Reformen erst spät angegangen wurden. «Man muss auch bei Reformbaustellen nicht immer warten, bis der Druck zu groß wird.» Besser wäre es, wenn permanent an Reformen gearbeitet werde. «Dann verlieren die Reformen auch ihren Schrecken», so der CDU-Politiker.
Regierung sieht Entlastungen
Laut Beschlusspapier soll in voller Wirkung ab 2028 eine berufstätige Familie mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 Euro um mehr als 600 Euro jährlich entlastet werden. «Das ist schon sehr viel», sagte Klingbeil. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) räumte in der RTL-Sendung «Nachtjournal Spezial» ein, dass die SPD ein größeres Volumen vorgeschlagen habe, zeigte sich aber dennoch zufrieden.