Koalition ringt nach Wahl-Schock um Reformen
Autor: dpa
, Mittwoch, 07. Oktober 2026
Union und SPD wollen sich im Koalitionsausschuss über das weitere Vorgehen im Reformprozess verständigen. Aber auch die Nachwehen der Landtagswahlen werden eine Rolle spielen.
Wie geht es weiter mit dem Reformpaket der Koalition? Das ist das Hauptthema, wenn die Spitzen von Union und SPD am Abend im Kanzleramt zur ersten Sitzung des Koalitionsausschusses seit drei Monaten zusammenkommen. Konkrete inhaltliche Beschlüsse zu umstrittenen Vorhaben werden nicht erwartet, aber möglicherweise ein Zeitplan für die Umsetzung der Beschlüsse vom Juli zu Rente, Steuer oder Arbeitsmarkt. Erklärtes Ziel ist es, bis Ende des Jahres alles unter Dach und Fach zu bringen.
Wahl-Schock überschattet Koalitionsausschuss
Überschattet werden dürfte die Sitzung durch die Nachwehen der Landtagswahlen im September. Am Dienstag wurde in Sachsen-Anhalt erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt - in geheimer Wahl. Es gibt den Verdacht, dass er auch Stimmen aus der CDU bekommen hat.
Die SPD-Bundestagsfraktion ist in Aufruhr. Am Dienstagabend marschierte sie nach ihrer regulären Sitzung zum Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung der Nazis, um ein Zeichen gegen die Zusammenarbeit mit der AfD zu setzen. «Das ist der Tag von Wut, das ist der Tag von Enttäuschung darüber, dass Demokratinnen und Demokraten offenbar nichts gelernt haben aus der Geschichte und die Geschichte sich wieder wiederholen lassen», rief Verteidigungsminister Boris Pistorius in einer denkwürdigen Rede. «Wer das zugelassen hat, hat sich an der Demokratie unseres großartigen Landes vergangen.» Anschließend stimmte Pistorius die Nationalhymne an.
Verärgerung in der Union über mögliches Linksbündnis in Berlin
In der Union gibt es dagegen Verärgerung darüber, dass die SPD möglicherweise eine Koalition mit der Linken in Berlin bilden wird. Die Berliner Linke wird von der Union als in Teilen antisemitisch und linksextrem ansehen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann wies die SPD vor der Sitzung des Koalitionsausschusses mit Blick auf die Gespräche über die Regierungsbildung in Berlin auf eine Formulierung aus dem Koalitionsvertrag hin. Danach schließen die Koalitionspartner jede Zusammenarbeit mit «verfassungsfeindlichen» und «demokratiefeindlichen» aus.
«Daran muss sich auch die SPD in Berlin messen lassen», sagte Hoffmann bereits am Dienstag. «Das ist auch ein Thema, daraus mache ich keinen Hehl, das wir gegenüber unserem Koalitionspartner formulieren.»
Diskussion über inhaltliche Konsequenzen aus den Wahlen
Es dürfte auch eine offene Diskussion darüber geben, ob aus den Landtagswahlen mit teils drastischen Verlusten für die Regierungsparteien inhaltliche Konsequenzen für den weiteren Kurs gezogen werden sollen. Die SPD fordert Änderungen am Reformpaket, während Bundeskanzler Friedrich Merz und die Union die bisherige Linie fortsetzen wollen.
Der Ausschuss hatte bei der letzten Sitzung Anfang Juli ein Reformpaket beschlossen, das Regelungen zu Rente, Steuer, Pflege und Arbeitsmarkt enthält. Einiges ist schon abgehakt, an vielen Stellen gibt es aber noch Streit. Das sind einige Knackpunkte, die heute auf den Tisch kommen könnten: