Koalition verspricht sanierte Straßen und stabile Beiträge
Autor: Basil Wegener, Andreas Hoenig, Sascha Meyer und Christoph Trost, dpa
, Donnerstag, 11. Dezember 2025
«Sichtbar und spürbar» - so sollen die schwarz-roten Reformen im neuen Jahr nach Aussage des Kanzlers werden. Millionen Menschen sollen betroffen sein: im Verkehr, bei der Rente, beim Bürgergeld.
Einen schnelleren Ausbau von Autobahnen und Zugstrecken, stabile Beiträge und strengere Regeln für Arbeitslose: Das haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die weiteren Spitzen von Union und SPD nach ihrem letzten Koalitionsausschuss vor Weihnachten versprochen. «So umfangreiche Reformen (...) hat es in Deutschland noch nie gegeben», sagte Merz. Der Kanzler verteidigte seine Ankündigung eines «Herbst der Reformen», der vielfach als ausgefallen kritisiert worden war. 2026 würden Verbesserungen spürbar, sagten er und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD).
Nach Einschätzung der gesetzlichen Krankenkassen ist mit dem Koalitionsausschuss nun dagegen klar, «dass die Beiträge zum Jahreswechsel steigen werden», wie ihr Verbandsvorstandschef Oliver Blatt sagte. «Ehrlich gesagt hätten wir uns von dem Koalitionsausschuss mehr erwartet.» Die Umweltverbände lehnen die vereinbarte Beschleunigung beim Ausbau der Infrastruktur ab.
Infrastruktur - was ist geplant?
Es soll keine Jahre mehr dauern, bis Asphalt- oder Bahnstrecken gebaut werden. Es würden sogar «weit über das Sondervermögen hinaus» Projekte beschleunigt, kündigte der Finanzminister an. Kommenden Mittwoch soll nach Beilegung von Differenzen zwischen den Ministern Patrick Schnieder (Verkehr/CDU) und Carsten Schneider (Umwelt/SPD) der Entwurf eines «Infrastruktur-Zukunftsgesetzes» durchs Kabinett gehen. Merz: «Das ist ein wirklicher Qualitätssprung.» Klingbeil sagte: «Es kann schneller geplant werden, es kann schneller genehmigt werden, es kann schneller gebaut werden.»
Mehr Vorrang als bisher soll es geben für die Beseitigung von Straßen-Engpässen und Autobahn-Neubauten sowie für Schienen- und Wasserstraßen-Projekte. Der Artenschutz soll «standardisiert», das Umweltverbandsklagerecht geändert werden. Verbände sollen durch ihre Beteiligung keine «unsachgemäßen Verzögerungen» verursachen. Schnieder zeigte sich zufrieden, dass seine Vorschläge nun umgesetzt würden.
Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sprach von einem «Generalangriff auf die Natur», Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser warf der Bundesregierung vor, sie wolle «Natur- und Klimaschutz vor die Asphaltiermaschine werfen». Wirtschaftsvertreter lobten die Beschlüsse als überfällig.
Heizungsgesetz - Weitere Debatten
Vertagt wurde das Thema Gebäudeenergiegesetz («Heizungsgesetz»). Umstritten sind Vorgaben, wenn neue Heizungen eingebaut werden sollen (mindestens zu 65 Prozent erneuerbar - aber mit welchen genauen Regeln?). Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vor zu strikten Vorgaben, Bauministerin Verena Hubertz (SPD) vor weniger Klimaschutz gewarnt. Bis Ende Januar soll es nun gemeinsame Eckpunkte geben.
Private Altersvorsorge und Rente
Mit einer Reform der privaten Altersvorsorge soll die Riester-Rente abgelöst werden. Ein Gesetzentwurf Klingbeils soll nächste Woche ins Kabinett. Die steuerlich geförderte private Altersvorsorge soll weit attraktiver werden - ein neues Modell die für viele enttäuschende Riesterrente ablösen. Zusätzlich gestärkt werden soll vor allem die private Altersvorsorge der jungen Menschen. Konkret soll die Grundzulage für sogenannte Eigenbeiträge bis 1.200 Euro ab 2029 jährlich von aktuell 30 Cent pro Euro auf 35 Cent pro Euro erhöht werden.