Brandenburgs Koalition wankt – Woidke will Klärung vom BSW
Autor: Monika Wendel und Oliver von Riegen, dpa
, Mittwoch, 12. November 2025
Fast ein Jahr ist das bundesweit einzige Bündnis aus SPD und BSW in Brandenburg alt. Doch es gibt Krach, vier Abgeordnete treten aus dem BSW aus. Kippt das Bündnis?
Die bundesweit einzige Regierungskoalition von SPD und BSW in Brandenburg steht gut ein Jahr nach ihrem Start auf der Kippe. Nach dem Parteiaustritt von vier BSW-Abgeordneten stecken die BSW-Fraktion und das gesamte Regierungsbündnis immer tiefer in der Krise. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht die Koalition nicht wanken und rief das BSW zur Klärung auf. Es geht nicht mehr nur um einen Streit um die Rundfunkreform – es rumort im BSW.
«Die Koalition steht», sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur. «Die Diskussionen, die innerhalb des BSW laufen, haben mit der Koalition nichts zu tun. Alle Beteiligten haben betont, dass sie zur Koalition stehen.»
Die BSW-Fraktion will nach Angaben ihres Vorsitzenden Niels-Olaf Lüders zügig zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Auf die Frage, ob die aus der Partei ausgetretenen Parlamentarier möglicherweise aus der Fraktion ausgeschlossen werden sollen, antwortete Lüders nicht.
BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht rief die Fraktion zu Einigkeit auf. «Eine Partei ist keine Selbstfindungsgruppe», sagte sie dem Saarländischen Rundfunk. «Eine Partei wird für Positionen gewählt. Und ich finde es keine Zumutung, dann von den Abgeordneten zu verlangen, dass sie diese Positionen auch vertreten. Und genau das ist offenbar in dem Fall das Problem.»
Die BSW-Landesvorsitzende Friederike Benda hatte zuvor erklärt: "Wir werden mit allen Beteiligten das Gespräch suchen, weil wir verhindern wollen, dass ein Weg der Abspaltung das BSW schwächt (...)."
Streit um Medienstaatsverträge eskaliert
Am Dienstagabend teilten vier BSW-Landtagsabgeordnete ihren Parteiaustritt mit. Als Grund gaben Jouleen Gruhn, Melanie Matzies, André von Ossowski und Reinhard Simon an, es dominierten radikalisierte Positionen im BSW und autoritäre Tendenzen prägten zunehmend das innerparteiliche Klima. Sie wollen aber in der Fraktion bleiben und die Koalition unterstützen. Es rumort mächtig. In der Partei wird es als seltsam empfunden, dass es vier Misstrauensanträge gegen die Fraktionsspitze gibt.
Regierungschef Woidke, der am Mittwoch von einer Auslandsreise aus Großbritannien zurückkehrte, appellierte an das BSW: «Die Menschen im Land erwarten, dass wir für Brandenburg arbeiten. Deswegen sollte das BSW diese Diskussionen schnell beenden.»