Klimaschutz bei der Arbeitsplatzwahl immer wichtiger
Autor: Christine Schultze, dpa
, Freitag, 08. März 2024
Wie steht mein künftiger Arbeitgeber zum Umwelt- und Klimaschutz? Für immer mehr Menschen wird das zum Entscheidungsfaktor. Im Wettbewerb um die besten Talente müssen Firmen das im Blick haben.
Mit dem eigenen Job einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten - vor allem für junge Menschen spielt das bei Berufswahl und Karriereplanung eine zunehmende Rolle. Ablesbar ist das an der steigenden Zahl neu besetzter Ausbildungsplätze für Berufe im Bereich umwelt- und klimafreundliche Technologien, an neuen Studiengängen der Hochschulen - aber auch daran, wie Unternehmen um Fachkräfte werben.
Ob Energiesektor, Automobilbranche oder Lebensmittelkonzern - mit Themen wie Klimaneutralität, CO2-Reduktion und Nachhaltigkeit wollen die Unternehmen beim potenziellen Nachwuchs punkten, Innovationsfähigkeit und Engagement herausstellen.
Angesichts der Herausforderung ist dieser Fokus auch dringend erforderlich, wie Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung deutlich macht. Umwelt- und Klimaschutz sei «kein Nischenthema», sondern müsse schon in der Ausbildung von Fachkräften fächerübergreifend in allen Bereichen eine zentrale Rolle spielen.
Mehr als zwei Millionen bereits in «Green Jobs»
Das Arbeitskräftepotenzial sei riesig - schon heute arbeiteten mehr als zwei Millionen Menschen in sogenannten «Green Jobs» - und der klimafreundliche Wandel könne weitere Arbeitsplätze in ähnlicher Größenordnung hervorbringen, erwartet Kemfert. Besondere Potenziale bestünden bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz im Gebäudesektor, letztlich gebe es sie aber in allen Bereichen der Volkswirtschaft.
Wie sich profitables Wirtschaften ökologisch und sozial nachhaltig umsetzen lässt, können Studierende beispielsweise in einem neuen Studiengang an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lernen. 61 Erstsemester hatten sich dafür zum Start ins Wintersemester 2023/24 eingeschrieben. Der Studiengang vereint die klassischen Inhalte der Betriebswirtschaftslehre mit Themen der Nachhaltigkeit. Dabei geht es etwa um faire Arbeitsbedingungen in Lieferketten und um ethische Fragen.
Geleitet wird der Studiengang von Julian Conrads, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement und Unternehmensethik an der THM in Gießen. Mit der Resonanz zeigt er sich sehr zufrieden: «Das Schöne an dem Studiengang ist: Das studiert keiner aus Versehen.» Viele der «Erstis» brächten viel Vorwissen mit und hätten «Lust und das Bedürfnis was zu verändern».
Dabei kämen sie eher nicht aus dem aktivistischen Umfeld, seien eher pragmatisch als dogmatisch und sähen auch persönliche Chancen in der wirtschaftlichen Transformation, sagt Conrads. Auch an ihre künftigen Arbeitgeber dürften die jungen Leute den Anspruch haben, dass diese aufrichtig Maßnahmen ergreifen, negative ökologische oder soziale Folgen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten zu verhindern oder sogar Lösungen dafür zu finden.