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Klima-Pressekonferenz: Wetterextreme werden in Zukunft immer wahrscheinlicher - 2018 übertrifft Rekorde


Autor: Redaktion

Offenbach am Main, Dienstag, 26. März 2019

Versiegte Quellen und vertrocknete Felder - Der Deutsche Wetterdienst hat auf den Hitzesommer reagiert. Mit einer neuen Prognose lassen sich Dürren bis zu sechs Wochen im voraus vorhersagen.
Der Deutsche Wetterdienst zog auf der Klima-Pressekonferenz Bilanz über das vergangene Jahr. Foto: Julian Stratenschulte/dpa


Das vergangene Jahr war - was das Wetter angeht - ein Jahr der Extreme. Quellen versiegten, Felder und Pflanzen vertrockneten unter der Sonne. Die Auswirkungen für Land- und Forstwirtschaft waren dramatisch. Bei der Klima-Pressekonferenz am Dienstag (26.03.2019) zog der Deutsche Wetterdienst (DWD) Bilanz über das vergangene Jahr. Vorgestellt wurde außerdem eine Neuerung, die Dürren bis zu sechs Wochen im voraus vorhersagt.

Bauern dürfen in die Zukunft schauen - ohne Kristallkugel

Grundlage für die Prognose ist die Bodenfeuchte. "Ich bin optimistisch, dass die Landwirte mit unseren neuen Dürreprognosen künftig Ertragsausfälle, wie wir sie im Jahr 2018 erleben mussten, zumindest vermindern können", erklärt Prof. Dr. Paul Becker, DWD-Vizepräsident, bei der jährlichen Klima-Pressekonferenz des nationalen Wetterdienstes in Berlin.

Im vergangenen Jahr fielen in Deutschland nur rund 60 Prozent der sonst üblichen Niederschläge. Vor allem die Monate April bis November waren außergewöhnlich trocken. Die Folgen seien, so der DWD, vor allem für die Land- und Forstwirtschaft dramatisch gewesen: Es herrschte Dürre in großen Teilen Deutschlands, bei Getreide und Feldfrüchten kam es zu Ernteausfällen und damit zu wirtschaftlichen Schäden, bundesweit traten Wald- und Feldbrände auf.

Sommer 2018 wird kein Einzelfall bleiben

Becker: "Die Klimaforschung ist sich einig: Solche Wetterextreme werden mit dem Klimawandel immer wahrscheinlicher. Wir müssen künftig häufiger, wenn nicht gar in regelmäßigen Abständen, mit Dürre in Deutschland rechnen". Die Nutzung langfristiger Vorhersagen von Trockenperioden werde damit immer wichtiger.

2018 brach Temperaturrekorde in Deutschland

Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,5 Grad Celsius (°C) in Deutschland brach 2018 einen neuen Rekord. Es war das wärmste Jahr in der 138-jährigen Temperaturzeitreihe des nationalen Wetterdienstes. Neue Rekorde gab es im Sommerhalbjahr 2018 auch bei den sogenannten "Heißen Tagen". An diesen Tagen herrschen Temperaturen über 30 Grad Celsius. Der DWD erfasste im bundesweiten Mittel 20 "Heiße Tage".

Damit wurde der alte Rekord von 19 Tagen aus dem Jahr 2003 knapp übertroffen. "Solche heißen Sommer sind mit erhebliche Belastungen und damit Gesundheitsgefahren für empfindliche Menschen verbunden", warnt Dr. Thomas Deutschländer, Klimawissenschaftler des DWD.

Außergewöhnlich war 2018 auch die Sonnenscheindauer. Von Februar bis November gab es durchweg einen Sonnenscheinüberschuss, nur Januar und Dezember waren zu trüb. Unter dem Strich war 2018 mit einem Mittel von 2015 Sonnenstunden in Deutschland das sonnenscheinreichste Jahr seit Beginn solcher Aufzeichnungen 1951. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 wurde um 1,5 Stunden übertroffen. Das Jahr 2018 stand also, so Deutschlandländer, hierzulande ganz im Zeichen des Klimawandels - aber nicht nur aufgrund neuer Rekorde bei Temperatur und Sonnenscheindauer.

Niederschlagsdefizit von 200 Litern pro Quadratmeter

Das zeigte sich auch bei den Niederschlägen. Zehn der zwölf Monate waren zu trocken. Nur der Januar und der Dezember brachten ein Plus beim Niederschlag. Das Defizit wurde dadurch aber bei weitem nicht ausgeglichen.

2018 wurden mit einer Niederschlagsmenge von insgesamt 586 Litern pro Quadratmeter (l/m2) im Flächenmittel von Deutschland über 200 l/m2 weniger Regen als im vieljährigen Durchschnitt gemessen. Mit diesem Minus von knapp 26 Prozent war 2018 das vierttrockenste Jahr seit 1881.

Eine Folge: Bereits im Juni lag die nutzbare Feldkapazität - oft auch Bodenwasservorrat genannt - im Deutschlandmittel bei nur noch 43 Prozent und sank bis September auf extrem niedrige Werte von rund 30 Prozent. Selbst Ende November waren die Böden nur etwa zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt.

Der DWD-Experte resümiert: "Das Jahr 2018 hat vielleicht noch eindrücklicher als 2017 gezeigt, mit welchen folgenreichen Auswirkungen wir bei weiter steigenden Temperaturen in Deutschland künftig wohl rechnen müssen."

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Dem Artikel lag die Pressemitteilung der Klima-Pressekonferenz 2019 des DWD zugrunde. (jos)