Kein gutes Polster – Dauerflaute in der Möbelbranche
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Dienstag, 17. Februar 2026
Möbel sind bei Verbrauchern derzeit wenig gefragt. Der Umsatz der deutschen Hersteller ist so niedrig wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Warum die Lage so schwierig ist.
Sparsame Verbraucher, Corona-Nachwehen und schwindende Erlöse: Die Krise der deutschen Möbelindustrie verschärft sich. Die Branche hat im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal in Folge weniger umgesetzt.
«2025 war kein gutes Jahr», sagt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM). Der Umsatz sank nach vorläufigen amtlichen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr nominal um 3,4 Prozent auf knapp 15,8 Milliarden Euro - der niedrigste Stand seit 2009.
Etwas stabiler war zuletzt das Küchengeschäft, deutlich schlechter lief es hingegen bei Polster- und Wohnraummöbeln. Besonders schwierig ist die Lage auf dem deutschen Markt, auf den zwei Drittel der Erlöse entfallen. Die erhoffte Belebung blieb aus - dafür gibt es mehrere Gründe.
Die schlechte Konsumstimmung
Wie viele Wirtschaftszweige leiden auch Möbelhändler und -industrie unter der Kaufzurückhaltung. «Die Menschen in Deutschland halten ihr Geld zusammen, statt es auszugeben», sagt Kurth. Die Branche konkurriere mit anderen um das knappe Budget der Verbraucher. Viele gäben ihr Geld lieber für kurzfristige Bedürfnisse wie Urlaub aus. Möbel haben es schwer, weil sich der Kauf leicht aufschieben lässt. «Auch wenn das Sofa nicht mehr schön ist, hält es vielleicht bei manchen Menschen doch noch ein Jahr länger als ursprünglich geplant», so Kurth.
Der Einzelhandel sieht es ähnlich. «Möbel sind nach wie vor kostenintensive Anschaffungen, während Kundinnen und Kunden zunehmend preissensibel reagieren», sagt Dirk Tesch, Präsident des Handelsverbands Möbel und Küchen. Aus Verunsicherung würden größere Investitionen häufig verschoben. Im Handel gingen die Erlöse 2025 laut Hochrechnung des Handelsforschungsinstituts IFH Köln um 0,5 Prozent zurück.
Die Folgen der Pandemie
Während der Corona-Pandemie zogen viele Haushalte Käufe vor und richteten sich neu ein. Nun ist der Bedarf vielerorts gedeckt. Ein Sofa oder ein Esstisch wird schließlich nicht alle zwei Jahre neu gekauft. «Die starke Nachfrage während der Pandemie hat zu einer Marktsättigung geführt, deren Auswirkungen noch immer nachwirken», sagt IFH-Geschäftsführer Kai Hudetz.
Wird vor allem bei Möbeln gespart?
Das legen die Zahlen nicht nahe. Laut einer YouGov-Umfrage sparen 42 Prozent vor allem bei Freizeitaktivitäten wie Kino, Theater und Restaurantbesuch. 34 Prozent halten sich bei Urlaub am meisten zurück, 32 Prozent bei Möbeln. Bei Bekleidung sind es 29 Prozent, bei Elektronikprodukten 28, bei Lebensmitteln 14. Die Befragten konnten bis zu zwei Bereiche auswählen.