Russland stoppt kasachisches Öl für Druschba-Leitung
Autor: dpa
, Mittwoch, 22. April 2026
Öl aus Kasachstan fließt durch Russland nach Deutschland. Ab kommender Woche soll jedoch die Durchleitung des Öls unterbrochen werden. Was bedeutet das für die PCK-Raffinerie in Schwedt?
Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt leiten. Das Öl werde über andere Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. «Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen», erklärte er.
Zuvor hatte der kasachische Energieminister Jerlan Akkenschenow erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur PCK-Raffinerie in Schwedt mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass das mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge.
Wirtschaftsministerin spricht von alternativen Lieferwegen
Sollte Öl aus Kasachstan länger ausfallen und nicht ersetzt werden können, könnte die Auslastung der Raffinerie spürbar sinken. Der PCK-Betriebsratsvorsitzende Danny Ruthenburg sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Das wäre echt schlimm für die PCK, dann fallen wir auf 65 Prozent Auslastung. Dann kriegen wir ein großes Problem.» Zuletzt hieß es, die Auslastung liege bei rund 85 bis 90 Prozent.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, sie gehe davon aus, dass die Produktion in Schwedt aufrechterhalten werden könne. Es gehe aber noch um Details. Das Ministerium sei in einem intensiven Austausch mit der Geschäftsführung. Konkret gebe es etwa alternative Lieferwege über die Häfen von Danzig und Rostock.
Versorgungssicherheit nicht gefährdet
Letztlich sei durch das Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die PCK-Raffinerie die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland nicht gefährdet, betonte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Selbst dann, wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsse.
Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge prüft Rosneft Deutschland derzeit die Auswirkungen. Die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft sei sich dabei ihrer Verantwortung für den Standort bewusst und werde seine Verpflichtungen einhalten. «Gleichzeitig werden vorhandene Spielräume ausgenutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.»
«Aktuell haben wir lediglich die Informationen vorliegen, dass die Durchleitung über russisches Territorium ab dem 1. Mai ausgesetzt werden soll - die Lieferungen aus Danzig aber nicht betroffen sind», sagte eine Sprecherin des Brandenburger Wirtschaftsministeriums. Der Betreiber kläre aktuell, ob und wie ein Ausgleich geregelt werden könne. «Mit Engpässen rechnet die Landesregierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.»