CDU-Parteitag: Rückenwind oder Dämpfer für Kanzler Merz
Autor: Jörg Blank, Sascha Meyer und Michael Fischer, dpa
, Donnerstag, 19. Februar 2026
Zum ersten Mal stellt sich Friedrich Merz als Kanzler zur Wiederwahl für das Amt des Parteichefs. Intern gibt es Unmut über Schwarz-Rot. Merz will die Delegierten von seinem Kurs überzeugen.
Kanzler Friedrich Merz will beim CDU-Parteitag in Stuttgart angesichts von Unmut in den eigenen Reihen über die Arbeit seiner Regierung für seinen Reformkurs werben. «Ich kenne natürlich auch manche Unzufriedenheit, auch manche Kritik», räumte der CDU-Chef beim traditionellen Rundgang durch die Parteitagshalle auf die Frage einer Journalistin ein, woran es liege, dass sich Bürger in Umfragen unzufrieden über seine Arbeit äußerten.
«Das ist in einer Demokratie im Übrigen auch einigermaßen normal, dass nicht alle gleich zufrieden sind», fügte Merz hinzu. Er ergänzte: «Aber ich werde versuchen, den Weg aufzuzeigen, auf dem wir sind.» Zugleich wiederholte der 70-Jährige seine Andeutung vom Vortag zu einer möglichen zweiten Amtszeit.
Kanzler: Haben viel geschafft, sind aber noch längst nicht am Ziel
Er gehe von guter Stimmung unter den 1.001 Delegierten aus, sagte Merz. Die CDU werde sich aber «auch mit den Herausforderungen zu beschäftigen haben, vor denen wir stehen – innenpolitisch, außenpolitisch, wirtschaftspolitisch, sozialpolitisch.»
Der Kanzler fügte hinzu: «Wir haben viel geschafft, aber wir haben auch noch viel zu tun, und das wird auch meine Botschaft morgen sein. Wir sind auf einem Weg, aber wir sind noch längst nicht am Ziel.» Er werde versuchen, dies den Delegierten bei seiner Rede am Freitag zu vermitteln.
Linnemann: Werden Merz Rücken stärken in schwierigen Zeiten
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigte sich überzeugt, dass sich die Delegierten bei der ersten Wiederwahl von Merz zum CDU-Chef in dessen Zeit als Kanzler breit hinter den Vorsitzenden stellen. «Wir werden ihm den Rücken stärken in unglaublich schwierigen Zeiten», sagte er nach Beratungen der CDU-Gremien. In der Partei gibt es angesichts des holprigen Starts der von Merz geführten schwarz-roten Koalition im Bund auch Unmut darüber, dass der Kanzler etwa Versprechungen von schnellen Reformen nicht einhalten konnte.
Chef der Jungen Gruppe: Kein Kanzlerwahlverein mehr
Der Vorsitzende der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion im Bundestag, Pascal Reddig (CDU), rief seine Partei auf, sich ohne Rücksicht auf Landtagswahlkämpfe klarer zu positionieren. «Die Zeiten, in denen die CDU auf einem Parteitag immer nur Dinge beschlossen hat, die die Regierung sowieso machen wollte, sind vorbei. Wir sind kein Kanzlerwahlverein mehr», sagte er der «Zeit». «Wir drehen uns ständig um Einzelvorschläge, die umgehend zerredet werden. So kommen wir nicht weiter.»
Wiederwahl des CDU-Chefs: Rückenwind oder Dämpfer?
Merz war 2022 wegen der Corona-Pandemie bei einem Online-Parteitag mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt und später mit 95,3 Prozent per Briefwahl bestätigt worden. 2024 kam er auf 89,8 Prozent. Mit Spannung wird erwartet, ob er wieder auf ein Ergebnis von mehr als 90 Prozent kommt oder einen Dämpfer verkraften muss.