Die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts basieren auf einer laut eigenen Angaben repräsentativen Umfrage von Kantar. Hierzu werden jährlich etwa 28.000 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren zu ihrem Anlageverhalten befragt.
Traditionell parken die Menschen hierzulande gewaltige Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten, die entweder wenig oder gar keine Zinsen abwerfen. Auf fast 3,6 Billionen Euro summieren sich nach vorläufigen Berechnungen der DZ Bank Einlagen und Bargeld der privaten Haushalte Ende 2025 - das ist gut ein Drittel des gesamten Geldvermögens von etwas mehr als 10 Billionen Euro.
Es gebe «eine deutsche Angst, dass man am Aktienmarkt viel Geld verlieren kann», ärgerte sich der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes, Michael Hoeck, jüngst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das sei empirisch nicht belegt. Das Aktieninstitut rechnet vor: Ein Sparplan auf Aktien des Deutschen Aktienindex (Dax) habe in den vergangenen 20 Jahren fast
9 Prozent Ertrag pro Jahr auf jeden angelegten Euro gebracht. Bei 50 Euro im Monat seien so aus 12.000 Euro Investment gut 32.000 Euro geworden.
Sparer zu Anlegern machen
Hoeck, dessen Verband Volks- und Raiffeisenbanken in allen Bundesländern außer in Bayern und Baden-Württemberg vertritt, betonte: «Sie können mit Tagesgeld die Inflation nicht schlagen.» Er appellierte an die eigene Zunft: «Unser Job ist es, die Menschen dahin zu beraten, dass sie die Inflation schlagen können.»
Die Menschen in Deutschland sparen zwar wie die Weltmeister: Im ersten Halbjahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes je 100 Euro verfügbarem Einkommen im Schnitt 10,30 Euro auf die hohe Kante gelegt. Allerdings machen viele Anleger zum Beispiel in den USA mehr aus ihren Ersparnissen, wie Analysen zeigen: Dort wird mehr auf Aktienmärkte gesetzt.
Politik in der Pflicht
Das Aktieninstitut, das sich seit 1953 für die Aktie einsetzt, nimmt angesichts des Aktionärsrekords die Politik in die Pflicht: «Die gewachsene Offenheit für Aktienanlagen ist eine Steilvorlage für die Bundesregierung, den Kapitalmarkt in allen drei Säulen der Altersvorsorge stärker zu nutzen.» Die geplanten Schritte der schwarz-roten Koalition zur Ergänzung der gesetzlichen Rente durch eine ergänzende private Vorsorge über den Kapitalmarkt seien «allenfalls zaghaft».
CDU/CSU und SPD wollen zum Beispiel ein Altersvorsorgedepot einführen, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. Hierbei könnte nach Dafürhalten des Aktieninstituts die steuerliche Förderung «wie in anderen Ländern ambitionierter ausfallen».
Bei der zudem von der Bundesregierung geplanten sogenannten Frühstart-Rente, bei der Kinder ab dem sechsten Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat für ein Altersvorsorgedepot bekommen sollen, ist aus Sicht des Aktieninstituts für den Erfolg entscheidend, dass «attraktive steuerliche Anreize auch für zusätzliche Sparbeiträge von Eltern und Großeltern gelten».
Die jüngste Entwicklung an den Börsen ist Wasser auf die Mühlen der Aktienbefürworter: Der Leitindex Dax hat sich vorerst oberhalb von 25.000 Punkten festgesetzt und Analysten erwarten 2026 kein Ende der Rekordjagd - trotz Risiken wie Kriegen und Spannungen rund um den Globus sowie manch aufgeblähter Bewertung im Zuge des Hypes um Künstliche Intelligenz (KI).