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Jugendwort des Jahres 2026: Das bedeutet "Ragebait"


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Deutschland, Samstag, 10. Oktober 2026

Der Sieger zum Jugendwort des Jahres 2026 steht fest. Warum kommt das wenig überraschend, was bedeutet der Begriff genau - und wie cringe sind Erwachsene, die Jugendsprache nutzen?
"Ragebait" ist zum Jugendwort des Jahres 2026 gewählt worden. Das teilte der Verlag Pons Langenscheidt mit.


Die Entscheidung zum Jugendwort des Jahres 2026 ist gefallen. Der Begriff "Ragebait" setzte sich in der Wahl durch. Dabei geht es darum, Empörung hervorzurufen und Aufmerksamkeit zu erregen – vor allem online, aber manchmal auch offline. Das Wort landete bei der Abstimmung im Internet auf dem ersten Platz, wie der Verlag Pons Langenscheidt mitteilte – vor "Peak" und "Crashout". In der Endrunde standen nur diese drei Begriffe. Laut den Angaben beteiligten sich rund eine Million Jugendliche an dem Voting. 

Der Gewinner "Ragebait" erhielt 36,5 Prozent der Stimmen. "Peak" bedeutet das Beste vom Besten – also eine 10 von 10 – und landete mit 33,8 Prozent auf Platz 2. Ein Beispielsatz lautet: "Das Konzert war echt Peak." Einen "Crashout" erlebt jemand, der völlig die Fassung verliert. Der Begriff, der sowohl ernsthaft als auch ironisch verwendet werden kann, kam auf 29,7 Prozent. Ein Beispielsatz lautet: "Wenn mein Akku ausgeht, gehe ich Crashout."

"Ragebait" zum Jugendwort 2026 gewählt - aber was genau ist damit gemeint?

 Wer "Clickbait" kennt, kann auch "Ragebait" gut erklären. Gemeint sind Inhalte in sozialen Medien, die absichtlich triggern sollen. Mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden Meinungen soll versucht werden, Wut auszulösen. Dies wird bekanntlich vom Algorithmus belohnt und bringt Kommentare, Likes und Reichweite. Direkt übersetzt bedeutet der Begriff "Wut-Köder".

Sprachforscher Jannis Androutsopoulos von der Universität Hamburg betont, dass der Begriff in der Jugendsprache über seinen Ursprung im Social-Media-Bereich hinausgehe. Also wenn beispielsweise jemand im Alltag seine Eltern nervt, um sie auf die Palme zu bringen. "Solche Wörter können eigentlich erst für sich beanspruchen, Jugendwörter zu sein, wenn sie ihre ursprünglichen Themenfelder verlassen."

Das Ergebnis kam für manche wenig überraschend. Bereits am Freitag (9. Oktober 2026) tauchte ein Video mit Nachrichtensprecherin Susanne Daubner auf den Social-Media-Kanälen der "Tagesschau" auf, das von vielen Fans gefeiert wurde. Darin erweckte die 65-Jährige zunächst den Eindruck, wieder das Jugendwort erklären zu wollen, bevor sie plötzlich stoppte und einräumte, sich im Datum geirrt zu haben. "Sorry Leute, ich komme morgen nochmal, aber vielleicht wisst ihr es ja jetzt schon".

Wie läuft die Abstimmung genau ab?

"Ragebait queen", lautete ein Kommentar daraufhin. Und: "Ragebait, der kein rage auslöst". Daubner gilt seit mehreren Jahren als "Kult-Ansagerin" für das Jugendwort. Als sie einmal vorhatte, das Jugendwort nicht mehr auf Social Media zu erklären, protestierten Fans. Der Rückzugsplan wurde gestrichen.

Alljährlich entscheiden junge Menschen von elf bis 20 Jahren darüber, welche Sprachfloskel sie besonders angesagt finden. Ab Ende Mai können sie Begriffe einreichen, aus denen die Jury eine Top Ten auswählt. "Beleidigend oder diskriminierend? Game over. Nur echte Jugendsprache schafft's ins nächste Level", heißt es beim Verlag. Es folgt eine weitere Abstimmung über die Top drei, die Ende August bekannt gegeben wird. Danach erfolgt die Wahl des Siegers.

"Sowohl bei der Abstimmung als auch bei der Einreichung der Vorschläge wurde nur die Altersgruppe der elf- bis 20-Jährigen berücksichtigt", sagte eine Verlagssprecherin. "Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäß angeben."

Erstes gewähltes Jugendwort war 2008 "Gammelfleischparty"

Seit 2008 veröffentlicht der Verlag das "Jugendwort des Jahres" – damals siegte "Gammelfleischparty" (Ü30-Party). Erst seit 2020 dürfen nur Jugendliche im Alter zwischen elf und 20 Jahren abstimmen.

Der Sieger des vergangenen Jahres war "Das crazy", eine Floskel, wenn man sprachlos ist oder keine Lust auf eine richtige Antwort hat. Ein Beispielsatz lautet: "Er hat ihr einfach vor dem ganzen Kurs einen Antrag gemacht!" – "Das crazy". 2024 hatte "Aura" gewonnen für die besondere Ausstrahlung einer Person.

Bleibt noch die Frage, wie es ankommt, wenn Erwachsene Jugendwörter verwenden. "Das muss man im Kontext betrachten", sagt Androutsopoulos. Es gibt die Berufsjugendlichen, die ein bisschen peinlich wirken. "Aber es gibt viele Situationen, in denen Eltern Begriffe von ihren Kindern übernehmen, wo es ganz gut funktioniert." Und: Viele Wörter schaffen es später ohnehin in die allgemeine Verwendung. Ein Beispiel ist "Chillen". "Das war vor 25 Jahren ein Jugendwort, inzwischen hört man das im Bundestag."

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