"Jede Mutter hat dieses Recht" - Anwältin stillt Baby vor Gericht
Autor: Agentur dpa, Moritz Kircher
Wiesbaden, Samstag, 29. August 2026
Ein Richter bietet ihr an, das Baby zu schaukeln, Anwälte zeigen Verständnis - Erlebnisse der Wiesbadener Anwältin Julia Dokara, die ihr Kind in der Verhandlung stillt. Aber wie ist eigentlich die geltende Rechtslage?
Wiesbaden (dpa) - "Bitte lassen Sie sich nicht irritieren, ich muss nur kurz meine Brust auspacken", so schildert Anwältin Julia Dokara eine Szene vor Gericht, als sie in einem Prozess ihren kleinen Sohn gestillt hat. Das macht die Wiesbadener Juristin regelmäßig. Der Zeuge sei trotzdem verstört gewesen.
Welche Reaktionen bekommt die 32-jährige Mutter sonst darauf, dass sie ihrem Kind im Gerichtssaal die Brust gibt? Darüber gibt sie auch auf ihrem Instagram-Kanal mit rund 116.000 Followern Auskunft.
"Wir haben jeden Gerichtstermin gerockt"
"Ich stand drei Tage nach der Geburt wieder im Gerichtssaal. Aber nicht allein. Mit meinem Baby. Und zu zweit haben wir jeden Gerichtstermin gerockt", sagt Dokara. "Kein einziges Mal fiel irgendein Spruch. Nie!" Damit habe sie zuvor niemals gerechnet, berichtet die promovierte Anwältin für Miet- und Arbeitsrecht auf Instagram.
Warum schon so rasch nach der Geburt zurück ins Gericht? Bei ihrem ersten Sohn habe sie noch mit abgepumpter Milch und Unterstützung ihrer Familie versucht, für Prozesse frei zu sein, aber Stillprobleme bekommen, sagt Dokara der Deutschen Presse-Agentur. Also sei ihr klar gewesen, das zweite Kind lieber in Gerichtssäle mitzunehmen.
Ursprünglich habe sie drei Wochen nach der Geburt noch keine Gerichtstermine wahrnehmen wollen. "Doch es gab ein Eilverfahren. Ein Vermieter hatte Wohnungsschlüssel ausgetauscht, mein Mandant drohte als Mieter auf der Straße zu stehen, das konnte nicht warten", erklärt die 32‑Jährige. "In dem Verfahren haben wir uns positiv verglichen", ergänzt sie. Schließlich habe es einen halbjährigen Aufschub für den Mieter in der Wohnung gegeben.
Ein Richter bietet Anwältin Dokara an, das Baby zu schaukeln
Mittlerweile habe sie in vielen Prozessen gestillt. Richter, Mandanten, sogar gegnerische Anwälte - alle seien verständnisvoll gewesen. Sie habe herumlaufen und wippen dürfen, ein junger Richter habe sogar angeboten, ihr Baby zu schaukeln, erzählt Dokara der dpa. Sie habe ihre Erlebnisse gepostet, um zu zeigen, dass Stillen auch in der Öffentlichkeit legitim und legal sei: "Jede Mutter hat dieses Recht."
Im Netz hat Julia Dokara viele positive Kommentare bekommen wie etwa "Respekt! Hammer Frau und Mutter!".