Interesse an Mode sinkt – Nachhaltigkeit weniger wichtig
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Freitag, 17. Juli 2026
Mode verliert an Reiz: Viele Menschen sparen beim Kauf von Bekleidung. Auch Nachhaltigkeit rutscht auf der Prioritätenliste nach unten.
Das Interesse an Mode und Bekleidung hat in Deutschland deutlich nachgelassen - und auch Nachhaltigkeit spielt beim Kauf eine geringere Rolle. Das geht aus einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Modeverbands GermanFashion hervor. Die wichtigsten Ergebnisse:
Frauen informieren sich öfter
Innofact hat im April gut 1.000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ befragt. Das Ergebnis: 40 Prozent informieren sich nicht aktiv über Mode und Bekleidung. Das sind deutlich mehr als bei der letzten Befragung im Jahr 2022, als es 29 Prozent waren. 2020 und 2021 lag der Anteil ähnlich hoch.
Am häufigsten informieren sich Verbraucher in Bekleidungsgeschäften. Der Anteil sank zwischen 2022 und 2026 jedoch von 38 auf 29 Prozent. Dahinter folgen Gespräche mit Freunden und Bekannten (19 Prozent), Websites von Bekleidungshändlern (18 Prozent), soziale Netzwerke wie Instagram (16 Prozent), Internet-Werbung und Hersteller-Websites (je 13 Prozent). In allen Kanälen sind die Werte rückläufig, oft deutlich. Frauen informieren sich deutlich häufiger über Mode und Bekleidung als Männer.
Viele sparen bei Mode
Warum interessiert Mode weniger? «Die Menschen in Deutschland wollen sparen, vor allem bei persönlichen Dingen wie Mode», sagt Theresa Schleicher, Handelsexpertin in dem Netzwerk «The Future Project». Grund seien die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Bei jungen Menschen fließe das Geld eher in Finanzpläne als in eine Handtasche. Zudem prägten Billiganbieter und Ramschkultur die Erwartung, dass Kleidung nicht viel koste. «Was weniger Wert hat, wird weniger benötigt und gewollt.»
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine im Juni veröffentlichte Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Preisvergleichsportals Idealo. 52 Prozent sparen bei Bekleidung und Accessoires – mehr als in anderen Bereichen wie Hobby- und Freizeitbedarf (42 Prozent), Elektronik (41 Prozent) sowie Wohn- und Haushaltsartikeln (36 Prozent). Geringer ist die Zurückhaltung bei Gesundheit (16 Prozent), Büchern und Medien, Drogerie und Kosmetik (je 31 Prozent) und Lebensmitteln (32 Prozent). Mehr als 2.000 Menschen wurden dazu befragt.
Stationäre Anbieter weiterhin gefragt
Die meisten Kunden kaufen Kleidung überwiegend und häufig in Filialen von Anbietern wie H&M, Zara oder C&A, wie die GermanFashion-Studie zeigt. Der Anteil liegt bei 37 Prozent und ist seit 2022 um acht Prozentpunkte gesunken. Auf den weiteren Plätzen stehen der örtliche Fachhandel, Onlineplattformen wie Amazon, Temu oder Otto sowie Modeportale wie Zalando oder Shein (jeweils 34 Prozent).
Ebenfalls von vielen genannt werden Ladengeschäfte größerer Bekleidungsketten wie Peek & Cloppenburg (24 Prozent) sowie Geschäfte von Herstellern wie Boss oder Adidas (22 Prozent). Es folgen Kaufhäuser wie Galeria (18 Prozent), Textildiscounter wie Takko und Kik sowie der Versandhandel über Kataloge (jeweils 17 Prozent). Im Vergleich zu 2022 ist das Einkaufsverhalten über alle Kategorien hinweg deutlich rückläufig. Konsumenten nutzen im Schnitt 3,4 Kanäle, vor vier Jahren waren es noch 4,3.