"Inside CDU": Amthor-Szene in Doku sorgt für heftige Kritik
Autor: Redaktion, Agentur dpa
Berlin, Dienstag, 29. Sept. 2026
Die ZDF-Doku "Inside CDU" zeigt tiefe Einblicke in die derzeit taumelnde Partei. Besonders eine Szene mit Philipp Amthors Strandkorb sorgt für Diskussionen in den sozialen Netzwerken.
Ein Strandkorb im Kanzleramt, ein AfD-Politiker mit Tankbeleg im TV-Duell und Politiker, die sich möglichst authentisch präsentieren möchten: Die zweite Staffel der ZDF-Dokumentation "Inside CDU" hat eine Debatte über das Auftreten und die Kommunikation der Partei entfacht. Die vier Episoden der zweiten Staffel von "Inside CDU" sind seit dem 22. September im ZDF-Streaming-Portal verfügbar.
Besonders viel Kritik entfachte sich an Philipp Amthors Strandkorb. Den Strandkorb sowie die Lieferung und den Aufbau hatte der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt privat bezahlt. In "Inside CDU" ist zu sehen, wie das Möbelstück auf den Balkon neben Amthors Büro gebracht wird. "Ja, das sieht doch super aus", sagt der 33-Jährige. Für den "unwahrscheinlichen Fall", dass er ihn einmal zur Erholung nutzen sollte, könne er ihn immer noch in Richtung Kanzlergarten drehen.
Strandkorb-Szene im Mittelpunkt: Ärger um Doku "Inside-CDU"
In den sozialen Netzwerken sorgten die Bilder für heftige Reaktionen. Mehrere Nutzer erklärten, sie hätten die Szene zunächst für Satire oder KI-generierte Inhalte gehalten. Andere warfen Amthor Überheblichkeit vor. Es gab aber auch Stimmen, die die Szene mit Humor nahmen und dem CDU-Politiker seinen Strandkorb gönnten. Auch über andere Szenen der Dokumentation wird in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert, darunter von CDU-Mitgliedern selbst. "Inside CDU" geht damit in die zweite Runde. Für die erste Staffel begleitete das Kamerateam die Partei rund um die Bundestagswahl 2025. In der zweiten Staffel gehören neben Amthor unter anderem Gesundheitsminister Carsten Linnemann und Noch-Ministerpräsident Sven Schulze in Sachsen-Anhalt zu den Politikern, die regelmäßig begleitet werden.
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Auf dpa-Anfrage wollte sich Amthor nicht zu seiner Darstellung in der Dokumentation und der Kritik daran äußern. Anfragen an Linnemann und die CDU-Bundespartei zu "Inside CDU" blieben zunächst unbeantwortet. Für den Kommunikationsberater Béla Anda ist die veränderte politische Lage ein entscheidender Unterschied zwischen der jüngsten Staffel und der ersten Staffel, die noch zur Regierungszeit der Ampel-Koalition entstanden war. Anda war von 2002 bis 2005 Regierungssprecher und Chef des Bundespresseamtes unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Von 2012 bis 2015 war er zudem stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung.
"In der ersten Staffel war die Union im Aufstieg, in der zweiten Staffel ist sie im Abstieg. Und der Abstieg wird natürlich die dominierende Erzählung in dieser zweiten Geschichte", sagte Anda der Deutschen Presse-Agentur. "Dazu kommen selbstgemachte Fehler. Aber das Momentum war nicht auf der Seite der Union." Amthor nimmt in der zweiten Staffel viel Raum ein. Die Kamera begleitet ihn durch das Kanzleramt, zeigt ihn im Anzug vor den Porträts früherer Bundeskanzler oder im Dienstwagen. Wiederholt sind seine Szenen mit klassischer Musik unterlegt. Beim Strandkorb fällt Andas Urteil deutlich aus. "Philipp Amthor macht in dieser Szene eigentlich jeden Fehler, den man nur machen kann." Der Staatsminister bediene mit seiner Sprache und seinem Auftreten Klischees und präsentiere "die Insignien dieses Amtes, als wären sie seine eigenen".
"Dürftest du nie zu lassen": Experte kritisiert Doku-Szenen
Autor und Kommunikationsexperte Philipp Jessen macht an Amthors Auftritt noch einen anderen Punkt fest: Authentizität bedeute nicht automatisch, dass ein Auftritt positiv wirke. "Dieses Wort authentisch wird häufig ganz falsch benutzt. Ich halte Amthor in dieser Folge für total authentisch. Die Frage ist: Gefällt mir das wahre Ich, das ich da sehe? Das ist etwas ganz anderes." Das Problem ist aus Jessens Sicht deshalb nicht, dass Amthor dem Kamerateam solche Einblicke gewährt hat. "Die Nähe zuzulassen, ist gar kein Problem. Amthor ist ja keine Paparazzi-Aufnahme gewesen. Er hat beschlossen, die Anlieferung seines Strandkorbs filmen zu lassen. Das Problem ist, gar kein Gefühl dafür zu haben, wie das wirkt."
Für Jessen ist der Strandkorb dabei nicht das einzige Beispiel. "Da sind einfach Bilder in dieser Dokumentation, bei denen ich sage: Die dürftest du nie zulassen. Alleine diese Einstellung: Wenn mich jemand in der Dienstlimousine mit der Kamera von unten nach oben filmt und ich da im Dreiteiler sitze - wenn ich der Hauptdarsteller von 'Succession' oder von der Fortsetzung von 'House of Cards' bin, ist das eine super Einstellung. Aber für alles andere nicht." Der Tankbeleg und die sozialen Netzwerke Mit der Wirkung sozialer Netzwerke auf politische Kommunikation beschäftigt sich Jessen auch in seinem neuen Buch "Shitfluencer - Wie Social Media Deutschlands Demokratie zerstören wird - oder retten kann".